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Landespolitik NRW

Antrag aller Fraktionen im Landtag NRW

Genitalverstümmelung ist eine Menschenrechtsverletzung – der Verletzung von Körper und Seele von Mädchen und Frauen entschieden entgegentreten.

Am 12.04.2016 stellten die Fraktionen von SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Piraten einen Antrag (Drucksache 16/11705)

Ausschnitte aus dem Dokument:

“Das Thema weiblicher Genitalverstümmelung wird in der Öffentlichkeit wenig thematisiert. Daher ist es umso wichtiger, dieses Thema in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Insbesondere Polizei und Justiz, pädagogisches Lehrpersonal sowie der Gesundheitssektor müssen vorbereitet sein, wenn sie mit dem Thema weibliche Genitalverstümmelung in Berührung kommen. Große Unterstützung in der Arbeit gegen Genitalverstümmelung leistet seit 2007 der Runde Tisch NRW gegen Beschneidung von Mädchen.
Hier wollen wir anknüpfen und mit unserer politischen Initiative dazu beitragen, Präventionsmaßnahmen zu entwickeln, potenzielle Opfer von weiblicher Genitalverstümmelung zu unterstützen und das Thema in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Eine wesentliche Rolle kommt hierbei dem pädagogischen und medizinischen Fachpersonal, Schülerinnen und Schülern, Polizei und Justiz sowie den Jugend- und Migrationsämtern zu. Sie alle müssen umfassend über das Thema weibliche Genitalverstümmelung informiert und in die Anstrengungen gegen die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung eingebunden werden.

Der Landtag bittet die Landesregierung,
1. durch intensive Informations- und Öffentlichkeitsarbeit das Bewusstsein in der Bevölkerung sowie in den staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen, vor allem in den Bereichen des Gesundheits-, Sozial- und Integrationswesens, für das enorme Ausmaß von Genitalverstümmelung – auch in NRW – zu schärfen und die Handlungsbereitschaft in konkreten Gefährdungsfällen zu erhöhen und diese bei Bedarf auch zu überprüfen.
2. die Präventions- und Sensibilisierungsarbeit auf Grundlage der Beratungen des Runden Tisches kontinuierlich zu optimieren sowie besser miteinander zu verzahnen.
3. eine spezifische Handlungsempfehlung nach dem Hamburger Vorbild, für Fachkräfte im Sozialen Dienst, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, den Gesundheitssektor sowie Polizei und Justiz zu erstellen. Ziel dieser spezifischen Handlungsempfehlung soll es sein, einen Einblick in die Thematik zu geben, zu sensibilisieren und eine erhöhte Sicherheit im Handeln zum Schutz der bedrohten Mädchen und jungen Frauen zu vermitteln. Zudem soll sie konkrete Hilfe im Einzelfall geben und die rechtlichen Handlungsmöglichkeiten der Jugendhilfe und der Mädchenarbeit aufzeigen. Gelungene Beispiele hierfür sind der „Leitfaden für pädagogische Fachkräfte“ und der „Leitfaden für medizinisches Personal“ wie sie vom stop mutilation e.V. herausgegeben wurden.”

Das Dokument komplett lesen oder herunterladen: Antrag aller Fraktionen des Landtags NRW vom 12.04.2016

 

Länderinformation

Thailand: 54 Prozent unter 11 Jahre

200 million girls and women living with FGM: UNICEF

published : 5 Feb 2016

UNITED NATIONS (UNITED STATES) – At least 200 million girls and women worldwide have been subjected to female genital mutilation with half of those living in Egypt, Ethiopia and Indonesia, according to the UN children’s agency.

The prevalence rates for FGM stands at a staggering 98 percent for Somalia, 97 percent for Guinea and 93 percent for Djibouti

Somalia, Guinea and Djibouti continue to show the highest prevalence of FGM globally, but the overall rate in some 30 countries has dropped, said a UNICEF report released ahead of International Day of Zero Tolerance for FGM, on Saturday.

The United Nations is working to end the practice of cutting women’s genitalia by the target date of 2030, a goal set in its new development agenda that was adopted in September by all UN member-states.

Of the 200 million FGM victims, 44 million are girls age 14 and younger.

In the 30 countries where the practice is most widespread, the majority of girls have undergone FGM before their fifth birthday, said UNICEF which declared the practice a clear violation of children’s rights.

“In countries like Somalia, Guinea and Djibouti, the practice is practically universal,” said Claudia Cappa, the lead author of the report.

“Being born in those countries means you have 9 out of 10 possibilities of undergoing the practice.”

The prevalence rates for FGM stands at a staggering 98 percent for Somalia, 97 percent for Guinea and 93 percent for Djibouti.

The new global figure on FGM includes nearly 70 million more girls and women than the last estimate for 2014, largely due to new data provided by Indonesia and population growth in some countries.

Overall, the prevalence of FGM among teenage girls has dropped in the 30 countries, from 51 percent in 1985 to 37 percent today.

There have been major strides in Liberia, Burkina Faso, Kenya and Egypt to end the mutilation of girls.

Attitudes are changing, Cappa said, pointing to surveys showing that a majority of people in those countries want the practice to end.

“We need to support national efforts to promote the abandonment of the practice,” said Cappa, pointing to successes in efforts to “change the way communities see FGM and cutting.”

Since 2008, more than 15,000 communities have abandoned FGM including 2,000 last year alone.

Five countries have passed laws criminalizing the practice: Kenya, Uganda, Guinea-Bissau and recently Nigeria and Gambia in 2015.

The new legislation in Gambia is seen as a major step forward as the country has the highest prevalence of FGM among girls 14 and younger — 56 percent.

Some 54 percent of girls under 14 have undergone FGM in Mauritania as have about half of girls 11 and younger in Indonesia.

Despite gains, the rate of progress does not keep up with population growth, said Cappa, who called for stepped up efforts to address FGM.

Original Bangkok-Post

Statistik

UNICEF: 200 Millionen betroffene Frauen und Mädchen

Weltweit leben mindestens 200 Millionen Frauen und Mädchen mit verstümmelten Genitalien, das zeigt ein neuer Bericht von UNICEF. Das sind fast 70 Millionen mehr als im Jahr 2014 geschätzt wurde. Grund ist das Bevölkerungswachstum in einigen Ländern und neue Daten aus Indonesien. Die Erhebung wurde in dreissig Ländern durchgeführt. Die Hälfte der betroffenen Frauen und Mädchen stammen aus Ägypten, Äthiopien und Indonesien. Mädchen unter 14 Jahren machen einen Anteil von 44 Millionen der Betroffenen aus mit dem höchsten Vorkommen in dieser Altersgruppe in Gambia und Mauretanien. In Indoniesien sind die Hälfte der Mädchen bis 11 Jahren genital verstümmelt.

https://www.unicef.ch/de/aktuell/news/weltweit-sind-mindestens-200-millionen-frauen-und-maedchen-betroffen

Länderinformation

Egypt: The fight against FGM

Clerics have debated it, doctors are divided about it, and parents are wary of it but some of them just follow tradition. Female genital mutilation (FGM), the practice of female circumcision, has been blamed for a wide range of health problems among women, ranging from death to the loss of libido. Although the procedure is formally illegal, enforcement of the law is still rare and girls in Egypt are still being circumcised in their thousands.

Mona, not her real name, was only 15 when her mother took her and her younger sister, then 14, to a doctor at a health clinic. The girls weren’t told what to expect. Now 35, Mona still recalls the experience with horror.

“If I gave birth to a daughter I would not have her circumcised. I would not subject her to the physical pain I still feel. The procedure is misguided and survives solely because of ignorance and a lack of awareness,” she said.

“When I got married and gave birth to my first son, the woman doctor who supervised the birth informed me that my circumcision had been badly done,” Mona added. “They say that the moral uprightness of girls depends on this procedure. But this is nonsense. Morality is about upbringing, not surgery.” More: Al-Ahram Weekly

UK: Schülerinnen werden aktiv

An einer Schule im südenglischen Bristol will man die Hilflosigkeit der Gesellschaft nicht länger hinnehmen. Die Lehrerin Lisa Zimmermann gründete eine Hilfsorganisation. Fahma und andere Jugendliche wollen Beschneidung enttabuisieren. Alle sollen lernen, darüber zu reden. “Als ich in der Schule anfing, wollte ich eine Gruppe von zwölf Mädchen zur Belohnung zum Reiten mitnehmen”, berichtet die Lehrerin. “Aber ich wurde gewarnt, dass es für sie schwierig sein könnte. Denn elf hatten eine Genitalverstümmelung.”
Die Schüler haben Filme gedreht. Kurze Szenen zeigen, wie Kindern geholfen werden kann. Oft fühlen sich die Mädchen allein gelassen. Mehr als 250.000 Unterschriften wurden in den letzten Wochen gesammelt, damit in allen Schulen des Landes solche Kurse abgehalten werden. “Wir fordern, dass alle Lehrer ausgebildet werden, wie sie mit dem Thema Genitalverstümmlung umgehen können”, sagt Lisa Zimmermann. “Und wir brauchen an jeder Schule einen sicheren Ort, wo man darüber sprechen kann. Das ist der einzige Weg, etwas zu verändern. Wir müssen mit den Kindern über FGM sprechen. Sie sind die künftigen Eltern. Nur so können wir den Kreislauf der Gewalt durchbrechen.”
Vor wenigen Tagen traf Fahma Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. Der Generalsekretär versprach ihr, die Kampagne gegen Genitalverstümmelung mit allen Mitteln der Uno zu unterstützen. Ein Riesenerfolg. “Ich will, dass noch vor den Sommerferien in allen Schulen des Landes darüber informiert wird”, sagt Fahma. “Denn dann werden viele Mädchen ins Ausland geschickt oder sie werden selbst hier beschnitten. Die Ferien sind dafür die beste Zeit. Da kann alles abheilen und niemand bekommt etwas davon mit. Deswegen müssen alle Schulen so schnell wie möglich damit anfangen. Nur so können wir so viele Mädchen wie möglich retten.”

Quelle: 3Sat –  Barbarisches Ritual, Schüler gegen Genitalverstümmelung