Dr. Sada Mire erforscht die Geschichte von FGM/C und beschreibt, dass FGM/C weitaus tiefer in kulturellen Traditionen verwurzelt ist, als die meisten Aktivisten erkennen. Diese Wurzeln seien längst vergessen, selbst in den nordostafrikanischen Gesellschaften, in denen sie begonnen hätten. Und dieser Mangel an Wissen behindere die Bemühungen zur Lösung des Problems. „Aktivisten behaupten oft, dass es in der Tradition hauptsächlich um Jungfräulichkeit, Keuschheit, Vaterschaftsvertrauen oder die Kontrolle der Sexualität von Frauen geht“. Sie glaube jedoch, dass FGM/C stattdessen als Opferakt für das Göttliche begann. Die ursprüngliche Absicht sei nicht die Beziehung zwischen Menschen, sondern zwischen Menschen und Göttern gewesen: ein Akt der Selbsterhaltung in Bezug auf heiliges Blut, Existenz und Fortpflanzung. FGM/C sei keine isolierte Praxis, sondern Teil eines indigenen Kultursystems, einer Sammlung von Opferritualen, gewesen.

The Guardian