agisra: In Erstaufnahmeeinrichtungen fehlt eine adäquate medizinische Betreuung

agisra Köln hat sich am 7.8.2018  mit einem wichtigen Anliegen an das Ministerium für Kinder, Frauen, Familie, Flüchtlinge und Integration NRW gewandt. Der Runde Tisch NRW ist einkopiert und hat sich in seiner Sitzung vom 26.9.2018 damit beschäftigt. Schon im Vorfeld haben wir mit dem angesprochenen Ministerium Kontakt aufgenommen. Wir haben vom Runden Tisch NRW zusätzlich den Auftrag bekommen, dieses Schreiben an das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung und an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit Bitte um Stellungnahme weiterzuleiten.

Der Text des Schreibens:

„In unserer Beratungspraxis stehen wir immer wieder vor der Situation, dass Unterstützer_innen und/ oder Betroffene von Genitalbeschneidung/ – verstümmelung sich an uns wenden, weil sie dringend gynäkologische Behandung von Fachärzt_innen, die sensibilisiert und informiert mit dem Thema umgehen können, benötigen. Neben der dringend notwenigen gynäkologischen Untersuchen und Behandlung brauchen die Frauchen auch traumasensible Beratung und psychotherapeutische Hilfe, weil sie unter verschiedenen Symptomen von Belastungssyndromen leiden. Auch im Hinblick auf das Asylverfahre können die Frauen ihre Rechte nur geltend machen, wenn sie psychisch dazu in der Lage sind, über das Erlebte zu sprechen und die frauenspezifische Gewalt durch fachspezifische Gutachten belegt ist.

Die Aufnahmerichtlinie (2013/33/EU) verpflichtet Deutschland „Opfer der weiblichen Genitalverstümmelung“ als besonders vulnerable Gruppe anzuerkennen und damit den Betroffenen alle notwendigen Maßnahmen und Behandlungen zukommen zu lassen.

Die Klientinnen, die sich an uns wenden und noch in ZUE’s des Landes NRW untergebracht sind, berichten uns, dass die Gynäkologinnen vor Ort die Form der Beschneidung nicht differenziert erkennen und somit auch nicht adäquat behandeln und versorgen können. Außerdem werden „Gutachten“ erstellt, die wohl nur aus einer kurzen Information, nämlich, dass Frau X beschnitten ist, bestehen.

In den EAE’s besteht zurzeit keine freie Arztwahl. Dies müsste zumindest für den Personenkreis der besonders vulnerablen Personen, wie Opfer von weiblicher Genitalbeschneidung, dringend gewährleistet sein, da die Behandlung auch wesentlich vom Vertrauensverhältnis zwischen Ärzt_in und Patient_in abhängt.

Zurzeit beurteilen die Dezernate 20 der verschiedenen Bezirksregierungen, ob Personen aus den EAE einen Krankenschein bzw. eine Überweisung erhalten.

Wir bitten Sie, sich dieses Themas anzunehmen, da nach unserer Erfahrung die Frauen weder medizinisch angemessen versorgt werden, noch ihre Rechte im Asylverfahren angemessen geltend machen können.“

Schreiben an Ministerium