Die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) hat die Kritik an ihrer Haltung zur aktiven Hilfe bei Genitalverstümmelungen zurückgewiesen. In einem Gespräch mit dieser Redaktion sagte Kammerpräsident Theodor Windhorst, unter seinen Mitgliedern sei das Interesse an dem Thema so ausgeprägt wie nötig. „Wir gehen sensibel mit dem Phänomen um”, betonte Windhorst, „und wir beteiligen uns rege an landesweiten Arbeitsgruppen”.

Während einer Expertenanhörung im NRW-Landtag hatte der Wittener Gynäkologe Christoph Zerm größere Beachtung für weibliche Beschneidungsopfer gefordert. In der Ärztekammer Nordrhein ginge man „sehr rührig” vor, in Westfalen-Lippe erlebe er dagegen „überhaupt keine Aktivitäten”.

Umfangreiche Kurse

Obwohl ein fraktionsübergreifender Antrag auf die Arbeit des „Runden Tisches NRW gegen Beschneidung von Mädchen” eingeht, fehlte seine Expertise in der Sachverständigenrunde. Auch ÄKWL-Vertreter Martin Melin wurde nicht eingeladen. Windhorst zeigte sich darüber irritiert. Grundsätzlich biete die Akademie für medizinische Fortbildung der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe umfangreiche Kurse zum speziellen Gebiet der Genitalverstümmelung an. „Unsere Institution kann solche Behandlungen aber kaum als gesonderten Schwerpunkt auslagern.”

Mit der Genitalverstümmelung, oder kurz FGM (Female Genital Mutilation), ist die vollständige oder teilweise Beschneidung der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane gemeint, ohne dass medizinische Gründe vorliegen. In NRW gibt es laut dem Facharzt Zerm schätzungsweise 20.000 Fälle.