BAMF-Befragungen

Schewa Sium, agisra, bittet um Behandlung beim Runden Tisch NRW:

In der letzten Zeit, machen wir die Erfahrung, dass die Art der Befragung sich verändert hat. Kritisch sehen wir unter anderem auch die Anforderungen an die fachärztlichen Bescheinigungen. Das BAMF verlangt z. B. Antworten auf folgende Fragen innerhalb einer solchen fachärztlichen Bescheinigung:

– Hat eine FGM stattgefunden?

– Welcher Typ FGM nach WHO liegt vor?

– Gesundheitliche Folgen der FGM?

– Welcher Behandlungsbedarf besteht ggf.?

– Welche Folgen hätte ggf. eine Nichtbehandlung?

 

Die Anforderungen an die neuen fachärztlichen Bescheinigungen sind mittlerweile so umfangreich, dass sich nun bereits eine Gynäkologin nach langjähriger erfolgreicher Zusammenarbeit weigert diese auszustellen. Sie und auch andere Gynäkolog*innen, haben nicht die zeitlichen Kapazitäten für solch detaillierten Bescheinigungen. Des Weiteren sehen sie sich nicht in der Lage über die physischen, aber in diesem Kontext vor allem die psychischen Folgen, eine Beurteilung abzugeben. Diese Anforderungen liegen zum Teil außerhalb ihrer fachärztlichen Kompetenz. Auch Aussagen bezüglich der Libido von Betroffenen, empfinden wir als Verletzung der Privatsphäre.

Problematisch ist auch, dass ärztliche Aussagen wie: `nur die Klitoris auf ein Drittel entfernt, andere äußere Genitale sind komplett vorhanden` fehlinterpretiert werden bzw. die Beschneidung damit verharmlosen können.

Wie gehen wir mit dieser neuen Beobachtung um und wie können wir auf diese Entwicklung am besten reagieren?