News

Gespräch mit Anja Butschkau, MdL SPD

Anja Buschkau hat oft beim Runden Tisch NRW teilgenommen. Günter Haverkamp hat um ein Gespräch gebeten, um die aktuelle Arbeit des Runden Tisches NRW darzustellen. Anja Butschkau sagte zu, uns bei der Entwicklung des bundesweiten Runden Tisches mit Kontakten in Berlin zu unterstützen.

Fortbildung: Landesverband der Hebammen NRW

Bei einer Fortbildung des Landesverbandes der Hebammen Nordrhein-Westfalen e.V. informierte
stop mutilation e.V. gemeinsam mit Aktion Weißes Friedensband e.V. zum Thema weibliche
Genitalbeschneidung. Die digitale Veranstaltung mit dem Titel „Fortbildungspflicht erfüllt?“ fand am
09. Juni statt. Daran nahmen 15 Hebammen teil. Inhaltlich stand im Mittelpunkt, wie mit
betroffenen Frauen und Männern über das Thema weibliche Genitalbeschneidung gesprochen
werden kann und welche Terminologie verwendet werden sollte. Dabei wurden die
Teilnehmerinnen für eine kultursensible Sprache sensibilisiert. Zunächst vermittelte Aktion Weißes
Friedensband Zahlen und Fakten zum Thema weibliche Genitalbeschneidung. stop mutilation e.V.
informierte über die kulturellen Hintergründe und nannte Beispiele aus der Beratungsarbeit.
Danach konnten die Teilnehmerinnen von ihren Erfahrungen mit dem Thema und ihrer Arbeit mit
betroffenen Frauen berichten. Eine Hebamme erzählte, dass eine Frau sich nach der Entbindung
eine Reinfibulation gewünscht hatte, weil ihr Mann das wollte. Das medizinische Personal sei
schockiert und sprachlos gewesen. Eine andere Hebamme berichtete, sie habe im Kreißsaal oft
Kreislaufzusammenbrüche betroffener Frauen erlebt, weil sie wenig trinken. Jetzt sei ihr der
Zusammenhang klar geworden: Die Frauen vermeiden es, auf die Toilette zu gehen, weil sie bei
einer Infibulation aufgrund der stark verengten Vaginalöffnung bis zu einer halben Stunde auf der
Toilette brauchen. Von einer weiteren Teilnehmerin kam die Frage, ob weibliche
Genitalbeschneidung ein Thema für die Schulen sei. Sie geht als Hebamme in Schulen und macht
dort sexuelle Aufklärung. Demnächst möchte sie die Schulen auch auf das Thema weibliche
Genitalbeschneidung ansprechen.

aus Newsletter 02-2021 von stop mutilation

03.03.21 Themenforum „Frühe Hilfen“ mit Désirée Frese, MKFFI NRW

Désirée Frese, Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, Referat 324 – Familienzentren, Prävention, Landeskoordinierungsstelle „Bundesstiftung Frühe Hilfen“ gab einen umfassenden Einblick in das breite Spektrum der Frühen Hilfen. Im zweiten Teil war sie sehr interessiert vom Fachpublikum zu erfahren, wie im Bereich Mädchenbeschneidung mehr erreicht werden kann. Zahlreiche Ideen wurden notiert – wir werden ihnen nachgehen.

 

 

 

01.03.21 Grundlagenkurs mit Jawahir Cumar und Günter Haverkamp

01.03.21 -Der Grundlagenkurs Mädchenbeschneidung mit Jawahir Cumar und Günter Haverkamp ist inzwischen ein Klassiker. Es waren aber auch spannende Teilnehmer*innen wie z.B. Jugendrotkreuz dabei, die mit ihrer intensiven Jugendarbeit sehr interessant sind.

01.03.21 Online-Seminar Mädchenbeschneidung in der Klasse 8a

Online in einer Kölner Gymnasialklasse mit 14jährigen dieses heikle Thema. Das war schon eine Herausforderung. Aber es hat geklappt! Es waren spannende 90 Minuten und von beiden Seiten hochsensibel und aufmerksam. Die Lehrerin hatte mit den Schüler*innen gut vorgearbeitet und es beteiligten sich gleichermaßen die Jungen wie die Mädchen. Eine Schüler*in möchte dranbleiben und beim Runden Tisch NRW am 10.3. teilnehmen.

FGM und Istanbul-Konvention – Expert*innentisch 05.02.2021

Anlässlich des Internationalen Tags gegen FGM am 06. Februar veranstaltet DaMigra am 05.02.2021 um 10:00 Uhr einen Expert*innen-Tisch (online), um die Herausforderungen und Empfehlungen gemäß der Istanbul-Konvention im Zusammenhang mit FGM zu identifizieren. Die aktuellen Schutz- und Unterstützungsmaßnahmen für Überlebende von FGM sind nicht effizient, das haben die Debatten im Februar und Juni 2020 gezeigt.

2021 wollen wir die Auswirkungen von emotionalem Druck in Zusammenhang mit FGM in den Blick nehmen: mit euphemistischen Umschreibungen wie „zur Frau werden“, „Ehre und Jungfräulichkeit“ und unter dem Siegel von „Tradition“ und „Ehre“ werden junge Mädchen unter emotionalen Druck gesetzt, FGM hinzunehmen. Emotionaler Druck ist psychische Gewalt. Die Istanbul-Konvention stellt diese in Artikel 33 unter Strafe. Damit psychische Gewalt im Zusammenhang mit FGM nicht länger unter dem Radar des Gesetzes bleibt, wollen wir mit Ihnen gemeinsam diskutieren, wie wir von FGM bedrohte Mädchen* und Frauen* besser schützen können. In diesem Zusammenhang wollen wir u.a. folgende Fragen diskutieren:

  • Was ist psychische Gewalt aus juristischer Perspektive und ist sie in Deutschland strafbar?
  • Wie funktioniert emotionaler Druck in Communities?
  • Welche Formen von emotionalem Druck kennen Sie in Ihrer Alltagsarbeit?

Gewalt ist kein Gefühl. Die Ausübung von emotionalem Druck ist Gewalt. Gegen Gewalt gibt es Gesetze. Die Ausübung von emotionalem Druck im Zusammenhang mit FGM muss als Form von psychischer Gewalt anerkannt werden.

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung bis zum 03.02.2021 unter:
https://eveeno.com/FGM-Istanbul-Konvention

Länderinformation

Human Rights Watch Vorlage an den Ausschuss zur Beseitigung der Diskriminierung von Frauen in Ägypten

Die weibliche Genitalverstümmelung (FGM) wird in Ägypten nach wie vor routinemäßig praktiziert, obwohl sie 2008 kriminalisiert wurde und 2016 strengere Strafen für ihre Praxis vom Parlament gebilligt wurden. [2] Die Änderungen des Strafgesetzbuches von 2016 sehen Gefängnisstrafen von fünf bis sieben Jahren für Diejenigen vor, die FGM durchführen, und bis zu 15 Jahren, wenn der Fall zu einer dauerhaften Invalidität oder zum Tod führt. Gemäß den Änderungsanträgen müssen jeder, der Mädchen zu einer weiblichen Genitalverstümmelung begleitet, ein bis drei Jahre Gefängnis drohen. [3] UNICEF berichtet, dass 87 Prozent der Mädchen und Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren FGM- und -fGM-berichten. [4] Im Jahr 2017 erklärte die Forensic Medical Authority des Justizministeriums, dass sie drei Fälle von Genitalverstümmelung untersucht habe, aber es habe immer nur eine strafrechtliche Verfolgung gegeben, die zu einer Verurteilung wegen ihrer Praxis geführt habe. [5] Die Praxis wird nach wie vor am häufigsten von ausgebildetem medizinischem Personal durchgeführt, wie von UNICEF dokumentiert, obwohl medizinisches Personal 2007 verboten wurde, sie zu praktizieren. [6] Der Ausschuss hat anerkannt, dass die Staaten nach wie vor für diese privaten Handlungen verantwortlich sind, „wenn sie nicht mit der gebotenen Sorgfalt handeln, um Rechtsverletzungen zu verhindern oder Gewalttaten zu untersuchen und zu ahnden und Entschädigungen zu leisten“. [7]

Human Rights Watch: Submission to the Committee on the Elimination of Discrimination against Women on Egypt

Gesellschaftliche Hintergründe

Studie: Sozioökonomische Dynamik

The socioeconomic dynamics of trends in female genital mutilation/cutting across Africa, British Medical Journal, Oktober 2020, Sprache: Englisch, 14 Seiten, PDF

Die dokumentierte Beziehung zwischen absoluten und relativen FGM/C-Prävalenzraten legt nahe, dass sich die FGM/C-Praxis in Umgebungen mit höherer Anfangsprävalenz wahrscheinlich fester verfestigt und sich langsamer ändern wird. Die sozioökonomischen Unterschiede in der Prävalenz und ihren Veränderungen im Laufe der Zeit sind zwischen den Ländern erheblich unterschiedlich. Da die Länder von einer höheren zu einer niedrigeren Gesamtprävalenz wechseln, nehmen die sozioökonomischen Ungleichheiten bei FGM/C zu.

Studie herunterladen

Länderinformation

Indonesien: Beschneidung schon im Säuglingsalter

Maydian Werdiastuti vom Ministerium für Frauenermächtigung und Kinderschutz (Kemen PPPA) erklärte im Webinar ‚Prävention von FGM/C oder Needkaan/Cutting Female Genitalia (P2GP) Session II‘: Mütter, die gerade geboren hätten, werde oft von Ärzten, Krankenschwestern oder Hebammen das Angebot gemacht, ihre Tochter beschneiden zu lassen, ohne dass sie die Erlaubnis SOP (Operational Standard Procedure) hätten, die Beschneidung durchführen zu dürfen.

Maydian erklärte, dass die Beschneidung von Frauen in fast allen Regionen Indonesiens nach wie vor weit verbreitet ist, besonders im Säuglingsalter.

Maria Ulfa, Kommissarin der Nationalen Kommission gegen Gewalt gegen Frauen (Komnas Perempuan), bestätigte: „Früher war das Kind 4-5 Jahre alt, so dass das Kind den Beschneidungsprozess, den es erlebte, kannte und spürte. Derzeit wird das Kind etwa nach 40 Tagen beschnitten oder bevor es ein Jahr alt ist“, sagte Maria.

Maria Ulfa fügte hinzu, dass die Praxis der weiblichen Beschneidung immer noch aufgrund der alten Tradition oder Kultur durchgeführt werde. Dies spiegele sich in der Entscheidungsfindung der beschnittenen Frauen wider, die oft von Eltern, insbesondere Müttern und der Umgebung, getroffen werde.

„Angesichts der Tatsache, dass weibliche Beschneidung tendenziell gegen Säuglinge durchgeführt wird, wird die Vorliebe oder Wahl der weiblichen Beschneidung von der Mutter der Tochter dominiert, während der Ehemann oder Vater der Tochter dazu neigt, passiv zu sein. In der Regel wird die Entscheidung, Frauen zu beschneiden, auch von der Familie, vor allem von Schwiegereltern oder Großmüttern, betrieben“, fügte Maria hinzu.

Harianhaluan.com

Statistik

Rheinland-Pfalz: Genitalbeschneidung bei 171 Frauen und Mädchen festgestellt

Bei 171 Mädchen und Frauen in Rheinland-Pfalz ist im vergangenen Jahr nach Angaben des Frauenministeriums eine Genitalbeschneidung während einer ambulanten ärztlichen Behandlung festgestellt worden. Die Betroffenen seien zum Zeitpunkt der Diagnose in einem Alter von 5 bis 87 Jahren gewesen, erklärte das Ministerium in einer Antwort auf eine Große Anfrage der AfD-Fraktion im Landtag. Es sei nicht bekannt, ob die Frauen gerade wegen der Genitalbeschneidung oder aus einem anderen Grund zum Arzt gingen.

Süddeutsche Zeitung