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Die Geschichte: «Sie schnitt mir einen Teil der Klitoris ab»

Sara (27) aus Zürich wurde mit fünf Jahren mit einer Rasierklinge in Äthiopien beschnitten. Im Video erzählt sie ihre Geschichte. Sara will anderen beschnittenen Frauen Mut machen. Auf ihrem Youtube-Kanal «Sara Lina Aduse» spricht sie über ihre Erfahrungen. Ihre Message: «Lebt nicht in Angst, kommt aus der Opferrolle heraus.»

Die Beschneidung

«Es passierte im Haus meiner Grossmutter in Äthiopien. Sie sagten mir, dass ich heute eine richtige Frau werde. Dass wir ein Fest feiern werden. Ich freute mich.

Ich musste mich hinsetzen. Sechs Frauen sassen um mich herum. Sie spreizten meine Beine und packten meine Arme. Ich lehnte mich an eine Nachbarin, die ich sehr mochte. Sie flüsterte mir ins Ohr, dass es schnell vorbeigehen werde. Dann kam die Beschneiderin. Sie hielt eine Rasierklinge in der Hand. Ich bekam Panik, wehrte mich. Umsonst. Sie schnitten mir ein Fleischstück ab. Ich fiel in Ohnmacht.

Später erfuhr ich, dass sie mir die inneren Schamlippen von der Klitoris abgetrennt, einen Teil der Klitoris abgeschnitten und ein Häutchen daraufgenäht hatten.

Als ich wieder erwachte, spürte ich einen brennenden, alles durchdringenden Schmerz. Meine Grossmutter, meine Geschwister und Bekannte waren da und brachten Geschenke. Ich freute mich nicht darüber.

Ich erinnere mich, dass ich dringend aufs Klo musste, aber aus Angst den Urin zurückhielt. Meine Tante schüttete kaltes Wasser über die Wunde, so dass ich Urin ablassen konnte. Die Schmerzen waren höllisch.»

Die psychischen Folgen

«In dem Moment, als ich genital verstümmelt wurde, hat man mir auch mein Selbstwertgefühl genommen. Als Teenager war ich unsicher und aggressiv, habe mich geschämt. Die Nähe meiner Mutter liess ich nicht mehr zu. Ich gab ihr die Schuld, an dem, was passiert war. Auch als ich mit zwölf Jahren in die Schweiz kam, verdrängte ich das Thema. Ich habe meine Vulva nicht einmal angeschaut. Erst mit 18 sprach ich erstmals mit Kolleginnen über die genitale Verstümmelung. Die Beschneidung habe ich inzwischen für mich verarbeitet.»

Sex

«Ich habe es meinem ersten Freund nicht gleich erzählt. Er nahm es zum Glück gut auf. Trotz der Beschneidung konnte ich Sex haben. Ich habe mich gefragt, ob das, was ich dabei empfunden habe, wirklich ein Orgasmus war. Ich wusste ja nicht, wie sich Sex für unbeschnittene Frauen anfühlt.»

Die Operation

«Eine Kollegin aus Somalia, die ebenfalls beschnitten wurde, erzählte mir, dass man Beschneidungen rückgängig machen kann. Am 1. Februar dieses Jahres wurde ich im Stadtspital Triemli in Zürich operiert. Es sieht jetzt alles normal aus. Ich fühle mich als Frau vollkommen. Mein Körper und ich sind jetzt eins. Auch mein Sexualleben hat sich zum Positiven verändert.»

Appell

«Mein Fall ist kein Einzelfall in der Schweiz. Ich kenne Dutzende Frauen, sieben Betroffene allein in meinem engeren Freundeskreis. Ich sage ihnen: Lebt nicht in Angst, kommt aus der Opferrolle heraus, brecht mit der Tradition. Nach mir wird es in meiner Familie nie mehr Beschneidungen geben.»

Auf ihrem Youtube-Kanal berichtet Sara über das Thema Mädchenbeschneidung. Quelle