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Niederlande: Doppelt so viele Frauen betroffen

Frauenbeschneidung kommt öfter vor als gedacht: 41.000 Frauen in den Niederlanden sind genitalverstümmelt

Frauenbeschneidung kommt in den Niederlanden fast doppelt so häufig vor, wie bisher angenommen. Die Genitalien von schätzungsweise 41.000 Frauen sind verstümmelt. Auch die Anzahl der Mädchen, die von Verstümmelung bedroht sind, ist viel höher als erwartet.

Das geht aus einem Report von Pharos und dem Erasmus Medical Center in Rotterdam hervor. Pharos ist ein auf Gesundheitsfragen spezialisiertes Wissenszentrum. Der Bericht wurde im Auftrag des Gesundheitsministeriums erstellt. Die Beschneidung von Frauen ist in den Niederlanden seit 1993 verboten, wird aber erst seit 2006 aktiv verfolgt. Dies hat, soweit bekannt, noch nicht zu Verurteilungen geführt.

Gesundheitsminister Hugo de Jonge (CDA) bezeichnet die Beschneidung von Frauen als “erniedrigend”. Er erklärt, dass Angehörige der Gesundheitsberufe Anzeichen von Verstümmelung der Polizei elden müssen.

Pharos war 2012 noch davon ausgegangen, das 29.000 Frauen eine Form von Genitalverstümmelung erlitten haben. Die Zahl der Mädchen, die in den kommenden fünfzehn Jahren von Verstümmelung bedroht sind, wird auf 600 bis 3.800 geschätzt. Nach Anpassung des verwendeten Berechnungsmodells kommt Pharos nun auf eine viel höhere Schätzung. Das Institut gibt an, dass 41.000 Frauen verstümmelt sind und das 4.200 Mädchen in Gefahr sind, verstümmelt zu werden. Sie sind besonders gefährdet, wenn sie ins Heimatland ihrer Eltern oder in eines von beiden Eltern reisen.

Kultureller Brauch

Im vielen Ländern ist (eine Form von) weiblicher Beschneidung ein kultureller Brauch. Dazu gehören Somalia, Ägypten, Äthiopien, Eritrea, Sudan und der Irak. In den Niederlanden kommen 95.000 Frauen aus Ländern, in denen die Beschneidung von Frauen vorkommt. Pharos schätzt aufgrund neuester Informationen über Beschneidung in den betroffenen Ländern, das 43 Prozent von ihnen das durchgemacht haben.

In den Niederlanden ist weibliche Genitalverstümmelung – oder Frauenbeschneidung – strafbar, ungeachtet des Ortes an dem die Beschneidung stattfindet. Es wird als eine schwere Form des Kindesmissbrauchs angesehen. In den Niederlanden wohnen 38.000 Mädchen unter 19 Jahre mit mindestens einem Elternteil aus einem Land, in dem Frauenbeschneidung vorkommt. Pharos schätzt, dass 4.200 von ihnen in den kommenden 20 Jahren von Beschneidung bedroht sind

Komplikationen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet vier Typen der Beschneidung von Frauen, die von einem Einschnitt in die Klitoris bis zur vollständigen Entfernung von Klitoris und der Schamlippen reichen, wonach die verbleibenden Genitalien zugenäht werden. Bei diesen Formen der Verstümmelung besteht bei Frauen ein hohes Risiko für Komplikationen wie Harnwegsinfektionen, Entzündungen, Probleme beim Geschlechtsverkehr und psychische Beschwerden.

In den Niederlanden wurde die Beschneidung von Frauen im letzten Jahrzehnt von der VVD-Politikerin Ayaan Hirsi Ali auf die Tagesordnung gesetzt. Sie war als Asylbewerberin aus Somalia in die Niederlande gekommen. Nach ihrem Politikstudium war sie von 2003 bis 2006 in der Zweiten Kamera für den VVD und befasste sich mit dem Thema Frauenunterdrückung im Islam. Sie sprach dabei auch über die Beschneidung, die sie selbst als Mädchen durchgemacht hat.

2006 sagte sie darüber dem Volkskrant: ‘Als sie mit mir gesprochen hatten als ich 5, 6, 7 Jahre als war, hatte sich das ganz anders angehört. Aber für mich waren die Konsequenzen besser als erwartet. Zuallererst starb ich nicht, während viele Mädchen daran sterben. Ich nehme mir viel mehr Zeit zum Wasserlassen als unbeschnittene Frauen, und Sex zu haben kann für mich etwas komplizierter sein. Aber die Gefühle sind er, er ist er verdient, ich kann einen Orgasmus bekommen. Nicht weit entfernt zu sein, das Meer hat überhaupt keine Genitalien. Mein Glück ist auch gefegt, dass ich von einem Mann beschnitten worden bin. Die Mine ist milder. Nicht alle Formen der weiblichen Beschneidung sind schrecklich, aber sie sind alle gleichermaßen zu beanstanden.”

Übersetzung: Günter Haverkamp
Original-Artikel: de Volkskrant