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Länderinformation

Irak: Regierung will weibliche Genitalverstümmelung vollständig abschaffen

Irakisch-kurdische Regierung will weibliche Genitalverstümmelung vollständig abschaffen

Die kurdische Regionalregierung im Irak und der UN-Bevölkerungsfonds UNFPA wollen die weibliche Genitalverstümmelung innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre abschaffen.

Laut einer Pressemitteilung der deutsch-irakischen Hilfsorganisation Wadi sei dieses Vorhaben auf einem von UNFPA organisierten Expertentreffen zu weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) im ägyptischen Alexandria erklärt worden.

In einem entsprechenden Aktionsplan wurden verschiedene Maßnahmen festgehalten, die in den vergangenen Jahren von Wadi gemeinsam mit UNICEF ausgearbeitet wuren. So sollen Polizei und Staatsanwaltschaft dazu angehalten werden, nach Verstößen gegen das Verbot von FGM Ausschau zu halten – und diese vor Gericht bringen. In den einzelnen Gemeinden sollen zudem Informationsmaterialien verteilt, Schulungen durchgeführt und Kinderbotschafter ernannt werden, um für das Thema zu sensibilisieren. Darüber hinaus sollen alle Mullahs angewiesen werden, über das Verbot weiblicher Genitalverstümmelung zu predigen.
Verstümmelungsrate durch Aufklärungsarbeit deutlich gesunken

Wie Hannah Wettig von Wadi erklärt, sei der Ansatz aufgegangen, mit verschiedensten Maßnahmen in allen Sektoren der Gesellschaft aufzuklären. So zeigt eine Studie von UNICEF und Heartland, dass die Rate der genitalverstümmelten Frauen und Mädchen seit dem Beginn der von Wadi betriebenen Aufklärungskampagne im Jahr 2006 deutlich gefallen ist. Bei der Umfrage gaben 44,8 Prozent der befragten Mütter an, genitalverstümmelt zu sein. Aber nur 10 Prozent haben ihre Töchter dieser Prozedur unterzogen. Gerade in den Provinzen Suleymania und Halabja, wo Wadis Kampagne startete, sind die Raten deutlich zurückgegangen. Allein in der Provinz Erbil, wo die Aufklärungsarbeit erst vor vier Jahren begann, liegt die Rate noch bei knapp 20 Prozent.

Obschon die weibliche Genitalverstümmelung in Irakisch-Kurdistan 2011 unter Strafe gestellt wurde, gibt Hannah Wettig zu bedenken, dass Maßnahmen zum Schutz der körperlichen Unversehrtheit von Frauen und Kindern in der Vergangenheit nur ungenügend umgesetzt werden. “Wir werden die Regierung beim Wort nehmen und sie daran erinnern, ihr ambitioniertes Ziel konsequent zu verfolgen: Kurdistan FGM-frei zu machen bis 2028”, so Wettig.

Originalbeitrag hpd – Humanistischer Pressedienst

Indien: Supreme Court stellt sich gegen Genitalverstümmelung

Genitalverstümmelung an Frauen könnte in Indien demnächst offiziell geächtet werden. Eine schiitische Sekte, die Mädchen Teile der Klitoris oder der Klitorisvorhaut abschneiden lässt, hat vor dem obersten Gericht des Landes einen massiven Dämpfer bekommen.

Wie die “India Times” und andere Medien am Dienstag berichten, hat sich der Supreme Court of India am Montag mit einer Beschwerde über die Praxis befasst. In der Anhörung sagten die drei Richter: “Warum sollte die körperliche Integrität einer Frau zugunsten religiöser Praktiken verletzt werden? Warum sollte die körperliche Unversehrtheit einer Frau externen Autoritäten unterliegen? Die Genitalien sind eine sehr private Angelegenheit.”

 

Die schiitische Sekte Dawoodi Bohra, die vor allem in den westlichen und nordwestlichen Provinzen Rajasthan, Gujarat und Maharashtra ansässig ist und ursprünglich aus dem Jemen stammt, lässt laut der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes ihre Kinder in der Regel im Alter von sieben Jahren verstümmeln. Weibliche Angehörige der Sekte oder Hebammen im Krankenhaus nehmen den Eingriff vor.

Die “khafd” oder “kathna” genannte Praxis werde als religiöse Pflicht betrachtet und solle der Reinlichkeit und der Einschränkung der Lust der Frau dienen.

Terre des Femmes zufolge gibt es kein Gesetz in Indien, das die Verstümmelung verbietet. 2016 hätten 17 Darwoodi-Bohra-Frauen in einer Petition ein Verbot gefordert.

Befürworter der ”Beschneidung”, verwiesen laut den Medienberichten vor Gericht darauf, dass die Praxis schon seit tausend Jahren angewandt werde und von der Religionsfreiheit gedeckt sei. Sie verglichen die Verstümmelung mit der Beschneidung von Männern – was Mediziner für Unsinn halten.

Die Richter jedenfalls haben sich in der Anhörung klar auf die Seite der verstümmelten Frauen gestellt. Am 16. Juli wird das Verfahren fortgesetzt.

Quelle: Huffington Post