News

Länderinformation

Ägypten: Kampagne gegen Genitalverstümmelung

In Ägypten startet im Februar eine neue Kampagne gegen Genitalverstümmelung. Die weiteren Daily Good News: Gefangene der Taliban befreit. Quallen-See in Palau wieder mit Quallen.

Beitrag hören: WDR Cosmo

Europa

Großbritannien: Kampf gegen Genitalverstümmelung von Mädchen

Es ist ein archaisches, barbarisches Ritual, im aufgeklärten Europa eigentlich undenkbar: die Beschneidung von Mädchen und Frauen. Dennoch leben allein in Großbritannien über 60.000 Frauen mit verstümmelten Geschlechtsorganen.

Der Weltspiegelbeitrag ist von 2014, dennoch sehenswert: Interessant darin ist z.B. die Aussage der Lehrerin, die ihre Klasse zum Reitunterricht einladen wollte und 12 von 15 Mädchen konnten nicht teilnehmen, weil es für sie zu schmerzhaft ist.

Ansehen: 30.03.2014 Weltspiegel

Engagement

Caritas nimmt sich verstärkt des Themas an

Als neues Thema sei inzwischen die weibliche Genitalverstümmelung in den Beratungsgesprächen angekommen, so die Fachreferentin. Betroffen seien hier vor allem Frauen aus West- und Ostafrika sowie aus dem Jemen und aus Irak. Häufig fehle es deutschen Beratern an Wissen, wie sie mit den physischen und psychischen Folgen dieses Eingriffs umgehen können. Die Caritas kündigte an, 2019 eine entsprechende Fachtagung zu organisieren.

Ganzen Artikel lesen: Ärzteblatt

Europa

Österreich: Förderaufruf für Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen im Kontext von Integration

ÖIF-Förderaufruf für Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen im Kontext von Integration
Projektvorschläge mit den Schwerpunkten Beratung, Prävention und Aufklärung können bis 18. März 2019 eingereicht werden

Wien (OTS) – Für Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen im Kontext von Integration und insbesondere auch gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM) startet der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) einen Sonderaufruf zur Einreichung von Projektvorschlägen. Gefördert werden Projekte zur Beratung und Prävention, welche Frauen und Mädchen zugutekommen, die von Gewalt im Kontext von Integration oder weiblicher Genitalverstümmelung betroffen oder gefährdet sind. Insbesondere werden Projekte gefördert, die Frauen in ihrer Selbstbestimmung stärken und Männern klar vermitteln, dass Gewalt gegen Frauen in Österreich nicht toleriert wird und strafrechtliche Konsequenzen hat. Einreichungen sind ab sofort bis 18. März 2019 möglich; vergeben werden Mittel für Projekte in ganz Österreich, die im Zeitraum vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2021 umgesetzt werden.

Weiterlesen: Pressemitteilung des Österreichischen Integrationsfonds

Länderinformation

Irak: Regierung will weibliche Genitalverstümmelung vollständig abschaffen

Die kurdische Regionalregierung im Irak und der UN-Bevölkerungsfonds UNFPA wollen die weibliche Genitalverstümmelung innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre abschaffen.

Laut einer Pressemitteilung der deutsch-irakischen Hilfsorganisation Wadi sei dieses Vorhaben auf einem von UNFPA organisierten Expertentreffen zu weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) im ägyptischen Alexandria erklärt worden.

In einem entsprechenden Aktionsplan wurden verschiedene Maßnahmen festgehalten, die in den vergangenen Jahren von Wadi gemeinsam mit UNICEF ausgearbeitet wuren. So sollen Polizei und Staatsanwaltschaft dazu angehalten werden, nach Verstößen gegen das Verbot von FGM Ausschau zu halten – und diese vor Gericht bringen. In den einzelnen Gemeinden sollen zudem Informationsmaterialien verteilt, Schulungen durchgeführt und Kinderbotschafter ernannt werden, um für das Thema zu sensibilisieren. Darüber hinaus sollen alle Mullahs angewiesen werden, über das Verbot weiblicher Genitalverstümmelung zu predigen.
Verstümmelungsrate durch Aufklärungsarbeit deutlich gesunken

Wie Hannah Wettig von Wadi erklärt, sei der Ansatz aufgegangen, mit verschiedensten Maßnahmen in allen Sektoren der Gesellschaft aufzuklären. So zeigt eine Studie von UNICEF und Heartland, dass die Rate der genitalverstümmelten Frauen und Mädchen seit dem Beginn der von Wadi betriebenen Aufklärungskampagne im Jahr 2006 deutlich gefallen ist. Bei der Umfrage gaben 44,8 Prozent der befragten Mütter an, genitalverstümmelt zu sein. Aber nur 10 Prozent haben ihre Töchter dieser Prozedur unterzogen. Gerade in den Provinzen Suleymania und Halabja, wo Wadis Kampagne startete, sind die Raten deutlich zurückgegangen. Allein in der Provinz Erbil, wo die Aufklärungsarbeit erst vor vier Jahren begann, liegt die Rate noch bei knapp 20 Prozent.

Obschon die weibliche Genitalverstümmelung in Irakisch-Kurdistan 2011 unter Strafe gestellt wurde, gibt Hannah Wettig zu bedenken, dass Maßnahmen zum Schutz der körperlichen Unversehrtheit von Frauen und Kindern in der Vergangenheit nur ungenügend umgesetzt werden. “Wir werden die Regierung beim Wort nehmen und sie daran erinnern, ihr ambitioniertes Ziel konsequent zu verfolgen: Kurdistan FGM-frei zu machen bis 2028”, so Wettig.

Originalbeitrag hpd – Humanistischer Pressedienst

Fachinformationstagung am 06.02.2019

Fachinformationstagung zum Internationalen Tag gegen weibliche Genitalbeschneidung

am 06.02.2019

im Anschluss an den Runden Tisch NRW

von 17.00 bis 20.00 Uhr

im Gerhard-Hauptmann-Haus, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf

Statistik

NRW: Ärzte registrierten 2017 406 weibliche Genitalverstümmelungen

406 Mädchen und Frauen haben im vergangenen Jahr bei ihrem Gynäkologen angegeben, Opfer einer Genitalverstümmelung geworden zu sein. Das berichtet das Bielefelder WESTFALEN-BLATT unter Berufung auf Abrechungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen Rheinland und Westfalen-Lippe.

Weibliche Genitalverstümmelung ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in 30 afrikanischen Ländern, aber auch in Malaysia, Indonesien, dem Oman und dem Jemen verbreitet. Belege dafür, dass Genitalverstümmelungen in NRW vorgenommen werden, gibt es nicht. Meistens werden Mädchen in den Ferien in ihrer Heimat verstümmelt – gelegentlich auch gegen den Willen der Eltern.

Innerhalb Nordrhein-Westfalens scheinen die meisten Opfer im Rheinland zu leben, möglicherweise wegen eines höheren Bevölkerungsanteils aus den betroffenen Ländern. Der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, die für 9,6 Millionen Menschen in den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln zuständig ist, wurden im vergangenen Jahr 314 Fälle bekannt. Im ländlicheren Westfalen-Lippe, wo 8,4 Millionen Menschen in den Regierungsbezirken Münster, Detmold und Arnsberg leben, meldeten sich im selben Zeitraum 92 Opfer bei ihrem Arzt.

Seit 2013 steht in Deutschland die Genitalverstümmelung bei Frauen unter Strafe – ohne große Konsequenzen. Die bundesweite Kriminalstatistik für 2017 führt nicht eine einzige Anzeige auf.

Original einsehen: Pressemitteilung des Westfalen-Blattes

Engagement

Hertha BSC kooperiert mit Berliner Hebammen

BERLIN. Der Fußball-Erstligist Hertha BSC und der Berliner Hebammenverband kooperieren künftig. Hertha BSC stelle dafür zunächst 10.000 Euro zur Verfügung, die die Hebammen für einen jährlichen Hebammen-Fachtag nutzen wollen.

„Der Fachtag ist unser Beitrag, um Themen abseits des Lehrplans zu platzieren und zu vertiefen. In einer kulturell und gesellschaftlich bunten Stadt wie Berlin gehören dazu zum Beispiel die unterschiedlichen möglichen familiären Konstellationen – aber natürlich auch so sensible Themen wie Genitalverstümmelung und Genitalbeschneidung von Frauen oder Intersexualität bei Neugeborenen“, so Susanna Rinne-Wolf, erste Vorsitzende des Hebammenverbandes.

Originalmeldung: Ärztezeitung

Presseerklärung Hertha BSC

Engagement

Im Focus: Die Beratungsstelle stop mutilation

Genitalbeschneidung – 3686 Mädchen in NRW sind bedroht
Jawahir Cumar kämpft mit dem Verein „Stop Mutilation!“ seit 1996 gegen Genitalverstümmelung. Die Beratungsstelle gibt es seit zehn Jahren.

Die Zahl der von Genitalverstümmelung betroffenen Mädchen und Frauen in Deutschland ist in der jüngsten Vergangenheit rasant gewachsen. Ging die Dunkelzifferstatistik, die Terre des Femmes auf der Basis von Schätzungen jährlich veröffentlicht, 2012 noch von knapp 24 000 bereits betroffenen Frauen und etwa 6200 gefährdeten Mädchen aus, sind es aktuell wohl fast 65 000 Betroffene und mehr als 15 500 Gefährdete.

Und: Zum ersten Mal schlüsselt die Statistik 2018 die Zahlen nach Bundesländern auf. Demnach leben die meisten Betroffenen in Nordrhein-Westfalen: 13 455 bereits beschnittene Frauen und Mädchen, 3686 weitere, denen die grausame Prozedur droht. Und die wird Expertinnen zufolge wohl auch in Deutschland durchgeführt.

PROJEKTE Der Verein „Stop Mutilation!“ betreibt Aufklärungsarbeit, informiert Mediziner bei Fachtagungen, bietet Frauen, aber auch Vätern oder Ehemännern kostenlose und anonyme Beratung an. Auch eine medizinische Sprechstunde gibt es in der Beratungsstelle an der Himmelgeister Straße 107a in Düsseldorf. Zudem baut der Verein derzeit eine Frauenklinik in Somalia auf. Mehr Infos: www.stop-mutilation.org

„Es ist schon länger in Europa ein Problem“, sagt Charlotte Weil, Referentin für Weibliche Genitalverstümmelung bei der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes. Und nicht nur, weil weibliche Flüchtinge etwa aus Somalia oder Eritrea es mitbringen. In Frankreich wurden bereits Prozesse gegen Eltern und Beschneiderinnen geführt, auch aus Amsterdam gebe es Berichte von Beschneidungen vor Ort, so Weil.

„Es ist zu vermuten, dass es auch in Deutschland passiert“, so Weil. „Es ist eine Praktik, die im Untergrund stattfindet. Die stark tabuisiert ist.“ Noch jung ist das Gesetz, das seit 2013 Genitalbeschneidung in Deutschland unter Strafe stellt – erst seit 2015 ist sie auch dann illegal, wenn sie im Ausland durchgeführt wurde. Das Problem: Das Thema ist in der Öffentlichkeit kaum präsent. „Anlaufstellen gibt es kaum“, erklärt Weil.

Vier in ganz Deutschland, um genau zu sein. Berlin, Frankfurt, München. Die einzige Beratungsstelle in NRW betreibt Jawahir Cumar in Düsseldorf. „Natürlich wird es auch in Deutschland gemacht. Beschneiderinnen reisen aus London ein oder aus Belgien“, ist sie ganz sicher – obwohl sie das nie aus erster Hand von Betroffenen erfahren hat. „Sie wissen, dass wir es sofort anzeigen würden.“

In Cumars Büro im Stadtteil Bilk steht eine gemütliche Couch neben dem Schreibtisch, afrikanische Tücher hängen an der Wand – und das Bild eines mit grobem Faden vernähten Pfirsichs. Es ist das Logo ihres Vereins „Stop Mutilation!“. Das Handy der 42-Jährigen klingelt. Es ist eine Jugendamtsmitarbeiterin aus einem Dorf im Sauerland. Eine Erzieherin habe sie um Hilfe gebeten, weil ein nigerianisches Mädchen im Kindergarten erzählt habe, ihr Vater wolle „ihr etwas abschneiden“. „Für uns ist das ein ganz neues Thema“, sagt die Anruferin hilflos.

Dass die Beteiligten in diesem Fall so wachsam reagieren, sei außergewöhnlich, erklärt Jawahir Cumar. Üblicherweise denke sich niemand etwas dabei, wenn Mädchen etwa erzählen, es solle ein großes Fest mit Geschenken für sie gefeiert werden, obwohl sie gar nicht Geburtstag haben. Dann falle erst später auf, dass die Betroffenen sich zurückziehen, nicht mehr spielen, ungewöhnlich lange auf der Toilette brauchen. „Wir stecken in den Kinderschuhen, was das Thema Frauenbeschneidung in Deutschland angeht“, sagt die Beraterin.

Sie erinnert sich an einen verzweifelten Anruf aus einer Klinik, die eine schwangere Frau mit einer Beschneidung des Typs III im Kreißsaal in den Wehen liegen hatte – mit einer Öffnung vom Durchmesser eines Zahnstochers. Es blieb nur ein Kaiserschnitt. „Um die Frau standen irgendwann acht ratlose Ärzte herum. Sie fühlte sich wie ein Affe im Käfig. Dabei dachte sie doch, sie sei ganz normal“, schildert Cumar die Situation.

Erst seit wenigen Jahren zahlten die Krankenkassen für die Rekonstruktion der Genitalien bei den Frauen, damit sie Wasser lassen, ein erträgliches, manchmal auch angenehmes Sexualleben und natürliche Entbindungen haben könnten. Aber es gebe wenige Ärzte, die darauf spezialisiert sind. „Stop Mutilation!“ arbeitet mit einem Gynäkologen aus Aachen zusammen, der den Frauen ein bisschen von dem zurückgibt, was ihnen genommen wurde.

Jawahir Cumar weiß um die Bedeutung dieses Eingriffs. Sie kam nach Deutschland, als sie elf Jahre alt war. Aber bereits im Alter von fünf Jahren ist sie selbst in Somalia beschnitten worden – wie 98 Prozent aller Mädchen dort. Zumindest wurde die Verstümmelung bei ihr unter Narkose in einer Klinik vorgenommen. Die acht Wochen danach mit zusammengebundenen Beinen und schrecklichen Schmerzen sind für die 42-Jährige aber bis heute eine traumatische Erinnerung. Ihre drei Kindern konnte sie nach einer chirurgischen Öffnung auf natürlichem Wege zur Welt bringen. Gern spricht sie über ihre eigene Betroffenheit nicht – weil ihr die Opferrolle nicht behagt, in die sie das presst. Aber bei ihrer Arbeit, das weiß sie, hilft das Erlebte.

Denn die Beschneidung geht üblicherweise einher mit der Beschwörung, niemals und mit niemandem darüber zu reden. „Viele Frauen kommen zu uns erst einmal, weil sie in Deutschland bleiben wollen. Es dauert, bis sie sich öffnen“, berichtet Cumar – es helfe, dass Genitalverstümmelung seit einigen Jahren verstärkt als Asylgrund anerkannt werde. Vor allem aber hilft es, dass die Frauen und Mädchen bei „Stop Mutilation!“ auf Menschen treffen, die genau wissen, wovon sie sprechen.

Spezielle Gruppen gibt es auch für Männer; dieser Teil der Aufklärungsarbeit wird in Düsseldorf von einem afrikanischen Flüchtling geleitet, der allein mit seinen vier Kindern in Deutschland ankam, weil seine beschnittene Frau auf der Flucht in der Wüste Wehen bekam, dort ohne ärztliche Hilfe nicht entbinden konnte und mit dem fünften Kind im Bauch starb. „Er ist der glühendste Gegner der Beschneidung“, sagt Cumar.

Insgesamt 1175 Männer und Frauen hat der Verein im vergangenen Jahr beraten. In 89 Fällen konnten die Eltern junger Mädchen vom Plan der Genitalverstümmelung abgebracht werden – was man im Nachhinein auch etwa durch regelmäßige Inspektionen beim Arzt kontrolliere. „Viele wissen nicht einmal, dass es verboten ist“, sagt Cumar. „Uns fehlt Aufklärung.“ Und zwar auch innerhalb aller Berufsgruppen, die mit Familien und Mädchen befasst sind – von der Polizei über Ärzte und die Flüchtlingshilfe bis hin zu Erziehern und Lehrern. „Aber das können wir nicht für ganz NRW leisten“, sagt die Beraterin, deren Arbeit vom NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung finanziert wird.

Terre des Femmes fordert deshalb, dass die Aufklärung als Bestandteil in die Ausbildung von Pädagogen, aber auch Hebammen und Sozialarbeitern integriert wird. „Nur wer geschult ist, erkennt die Verdachtsmomente“, ist Referentin Charlotte Weil sicher. Zudem hat die Organisation gerade eine Petition gestartet, um U-Untersuchungen beim Kinderarzt zur Pflicht zu machen, damit eine illegale Beschneidung auffliegen würde. Das wirke auch vorbeugend. Zudem bildet Terre des Femmes „Change Agents“ aus den Gemeinschaften selbst aus, die über gesundheitliche und rechtliche Folgen der Genitalverstümmelung informieren. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht“, so Weil. „Für Außenstehende ist das fast unmöglich.“ Allerdings fehle es dieser Präventionsarbeit an finanziellen Mitteln.

Artikel im Original: Westdeutsche Zeitung

Länderinformation

Russland: Mädchenbeschneidung in Moskauer Klinik?

Aufgrund der Nachfrage von Kunden eines „bestimmten Glaubens“ soll eine Moskauer Privatklinik die Beschneidung von Frauen und kleinen Mädchen angeboten haben – und die Eingriffe dabei selbst als „Verstümmelung“ bezeichnet haben.

 

Eine Moskauer Privatklinik hat als Dienstleistung die Beschneidung von Frauen und kleinen Mädchen angeboten – meldet das Nachrichtenportal Meduza. Die an der Metrostation Baumanskaja gelegene Filiale der Kette „Best Clinic“ offerierte auf ihrer Internetseite drei Formen weiblicher Genitalverstümmelung: das Wegschneiden der Klitoris, darüber hinaus die Entfernung der kleinen Schamlippen sowie die Infibulation, wobei das gesamte äußere Geschlecht entfernt und die Schamlippen zugenäht werden.

Nach dem Eingriff könne nur noch Urin und Menstruationsblut austreten, hieß es dazu. Eine medizinische Indikation gebe es für die Beschneidung nicht, verriet die Klinik, sie werde aus religiösen und rituellen Gründen vorgenommen. Da es sich um eine „Verstümmelung“ handle, solle die Operation nicht zu Hause, sondern im Krankenhaus durchgeführt werden. Weibliche Beschneidung ist vor allem in Afrika, in Russland besonders in Dagestan im Nordkaukasus verbreitet. Zumal in dagestanischen Dörfern gilt sie als obligatorisches Ritual, ohne das ein Mädchen nicht zur „Muslimin“ wird.

Der russische Mufti für den Nordkaukasus, Ismail Berdiew, glaubt, es wäre gut, alle Frauen zu beschneiden, damit es weniger Unzucht und „sex appeal“ in der Welt gebe. In der Klinik hieß es vor einer Woche, man habe die neue Dienstleistung aufgrund der Nachfrage von Kunden eines „bestimmten Glaubens“ neu ins Sortiment genommen. Die Kosten sollten sich auf tausend Euro belaufen. Jetzt teilt „Best Clinic“ mit, Klitorektomien würden nur bei volljährigen Patientinnen durchgeführt, bei denen das medizinisch angezeigt sei.

Originalartikel lesen: FAZ.net