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Gesellschaftliche Hintergründe

UNICEF: Abnehmende Beschneidung in den letzten 30 Jahren

Insgesamt ist die Praxis von FGM/C in den letzten drei Jahrzehnten zurückgegangen. In den 31 Ländern mit national repräsentativen Prävalenzdaten wurde jedes dritte Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren beschnitten, gegenüber jedem zweiten vor 30 Jahren. Allerdings haben nicht alle Länder Fortschritte erzielt und die Abnahme ist ungleichmäßig.

UNICEF

Medizinische Hintergründe

Meta-Studie: Schmerzhafte gynäkologische und geburtshilfliche Komplikationen in Folge von FGM/C

Um zu untersuchen, ob und wie FGM/C mit schmerzhaften gynäkologischen und geburtshilflichen Komplikationen bei betroffenen Frauen verbunden ist, wurden 116 Studien mit insgesamt 77.324 Frauen, die von einer FGM/C betroffen waren, und 63.949 Frauen ohne FGM/C in einer kritischen Literatur-Analyse und Meta-Studie ausgewertet. Eingeschlossene gynäkologische Diagnosen waren Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Schmerzen beim Eindringen in die Vagina), Dysurie (Schmerzen, Brennen oder Beschwerden beim Wasserlassen), Dysmenorrhoe (schmerzhafte Menstruation) und Harnwegsinfektionen sowie geburtshilfliche Ergebnisse wie verlängerte Wehen, perineale Tränen, Episiotomie (ein chirurgischer Schnitt des Perineums, durch den ein Neugeborenes hindurchtreten kann), Kaiserschnitt und instrumentelle Entbindung. Die Auswertung gibt Hinweise auf ein höheres Risiko für Dyspareunie, Dysurie, Perinealrisse und längere Wehen bei Personen mit FGM/C. Darüber hinaus ergeben sich Hinweise auf ein höheres Risiko für Episiotomien bei Personen mit FGM/C. Für die Assoziation von FGM/C mit Dysmenorrhoe, Harnwegsinfektionen, instrumentellen Entbindungen oder Kaiserschnitten konnten hingegen nur unzureichende Belege gewonnen werden.

Journals.Plos.org

Historische Hintergründe

FGM/C richtig verstehen  

Dr. Sada Mire erforscht die Geschichte von FGM/C und beschreibt, dass FGM/C weitaus tiefer in kulturellen Traditionen verwurzelt ist, als die meisten Aktivisten erkennen. Diese Wurzeln seien längst vergessen, selbst in den nordostafrikanischen Gesellschaften, in denen sie begonnen hätten. Und dieser Mangel an Wissen behindere die Bemühungen zur Lösung des Problems. „Aktivisten behaupten oft, dass es in der Tradition hauptsächlich um Jungfräulichkeit, Keuschheit, Vaterschaftsvertrauen oder die Kontrolle der Sexualität von Frauen geht“. Sie glaube jedoch, dass FGM/C stattdessen als Opferakt für das Göttliche begann. Die ursprüngliche Absicht sei nicht die Beziehung zwischen Menschen, sondern zwischen Menschen und Göttern gewesen: ein Akt der Selbsterhaltung in Bezug auf heiliges Blut, Existenz und Fortpflanzung. FGM/C sei keine isolierte Praxis, sondern Teil eines indigenen Kultursystems, einer Sammlung von Opferritualen, gewesen.

The Guardian

 

Engagement

Berliner Senat will Frauen besser vor Gewalt schützen

SPD, Linke und Grüne haben im Berliner Abgeordnetenhaus in einem dringlichen Antrag gefordert, ein ressortübergreifendes Gremium einzuberufen. Es soll einen Aktionsplan zur Umsetzung der seit 2018 geltenden Istanbul-Konvention des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt an Frauen ausarbeiten.

rbb24

Runder Tisch NRW

51. Runder Tisch NRW

Corona hat zu vielen Absagen geführt. Vor allem die vielen Teilnehmer*innen aus den medizinischen Berufen hatten plötzlich andere Probleme. Deswegen haben wir das Treffen am 4.3.2020 ausfallen lassen müssen. Und nun müssen wir auch unser Treffen am 3.6.2020 absagen.

Wir vermuten, dass wir uns eine längere Zeit darauf einrichten müssen, dass die gewohnten persönlichen Treffen nicht möglich sind. Entsprechend wollen wir unsere Treffen ins Internet verlegen. Dabei profitieren wir davon, dass wir bereits seit mehr als zwei Jahren Webinare durchführen, also mit dem Webmeeting-Programm ZOOM vertraut sind.

Zum ersten Mal wagten wir uns also an eine Webkonferenz. Beeindruckend, dass 48 Aktive dabei sein wollten. Es hat zwar technische Pannen gegeben wie bei jedem Probelauf. So konnten nur 31 teilnehmen.

Mit diesen Erfahrungen machen wir jetzt weiter. Danke an das Organisationsteam, das so viel Energie in diese Zoom-Konferenz gesteckt haben.

 

Appell Aktionsgemeinschaft Junge Flüchtlinge NRW

Länderinformation

Sudan: Veränderungen zeichnen sich ab

Jüngste Statistiken belegen eine hohe Prävalenz von 87 % bei Frauen im gebärfähigen Alter von 15 bis 49 Jahren und von 31% bei jungen Mädchen (<15 Jahre). In der Praxis habe sich viel verändert:
1. die Verschiebung vom, im Sudan weit verbreiteten, Typ-III zum Typ-I
2. der Anstieg des Beschneidungsalters
3. mehr als 50 % der Bescheidungen wurden von medizinischen Fachkräften durchgeführt

BMC Women’s Health

 

Länderinformation

USA: 15 Bundesstaaten haben noch kein Verbot erlassen

Aktuell haben 35 Bundesstaaten der USA Gesetze gegen weibliche Genitalbeschneidung erlassen. Die 15 verbleibenden Bundesstaaten wurden von der EndFGMToday-Initiaitve aufgefordert, entsprechende Verbote zu erlassen.

Alabama-Reporter

 

Europa

Niederlande: Video auf der Webseite einer Moschee empfiehlt Mädchenbeschneidung

In den letzten Monaten wurden etwa 100 Klagen gegen die As-Sunnah-Moschee in Den Haag eingereicht, da sie auf ihrer Website ein Video veröffentlicht hatte, in dem die Beschneidung von Frauen empfohlen wurde.

RTLnieuws

omroepwest

NOS

Europa

Spanien: Sechs Jahre Gefängnis gefordert

Eine Mutter aus Mali droht die Verurteilung zu sechs Jahren Gefängnis, weil sie zwei Jahre vor ihrem Umzug nach Spanien ihre Tochter beschneiden ließ. In einem Gesundheitszentrum wurde festgestellt, dass die Beschneidung kurz nach der Geburt des Mädchens erfolgte. Die Staatsanwaltschaft macht geltend, dass die Frau trotz der Kenntnis dieser Sitte und dem Wissen, dass Beschneidungen auch an neugeborenen Mädchen vorgenommen werden, keine angemessenen Vorsichtsmaßnahmen gegenüber ihrer Tochter getroffen habe.

Euroweekly

Engagement

Untersuchung: Welche Wirkung hat die Beteiligung von jungen Männern?

Maria Väkiparta studiert an der Faculty of Arts, University of Helsinki, und hat eine Arbeit verfasst mit dem Titel: „YOUNG MEN AGAINST FEMALE GENITAL MUTILATION/CUTTING IN SOMALILAND – DISCURSIVELY NEGOTIATING VIOLENCE, GENDER NORMS AND GENDER ORDER“. Auf 174 Seiten untersucht sie, welche Auswirkungen die Aktivitäten von Männern haben, die sich gegen weibliche Genitalbescheidung einsetzen.

Dokumentation, PDF, 174 Seiten