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Europa

Schweiz: Berner Inselspital behandelt bis zu 40 Opfer pro Jahr

Seit 2012 sind Beschneidungen in der Schweiz verboten. Dennoch ist das grausame Ritual auch hierzulande Realität. Jährlich werden im Berner Inselspital bis zu 40 Opfer behandelt.

Seit 2012 steht Genitalverstümmelung in der Schweiz unter Strafe. Trotzdem werden kaum Anzeigen erstattet. «Betroffene Mädchen geraten in einen Loyalitätskonflikt und haben vielfach Angst davor, aus der Gesellschaft ausgestossen zu werden, wenn sie die eigene Familie anzeigen», sagt Denise Schwegler vom Netzwerk gegen Mädchenbeschneidung Schweiz. Bei einer Verurteilung drohe der Familie zudem die Ausschaffung.

Meist wird die Beschneidung zwischen dem Vorschulalter und dem Beginn der Pubertät vorgenommen. «Bei rund der Hälfte der Mädchen, die ich behandle, ist die Vulva so stark zerstört, dass sie sogar beim Wasserlösen häufig unter Schmerzen leiden», sagt Kinder- und Jugendgynäkologin Irène Dingeldein vom Berner Inselspital.

Neben weiteren körperlichen Folgen wie Unfruchtbarkeit, Komplikationen bei der Schwangerschaft oder einer eingeschränkten Sexualität seien die psychischen Schmerzen besonders schlimm für die Mädchen: «Sie fühlen sich oftmals minderwertig und unverstanden. Zudem leiden sie unter starken Schamgefühlen», so Dingeldein.

Seit 2002 gibt es in der Frauenklinik des Inselspitals eine Sprechstunde für Frauen, die infolge der Beschneidung gesundheitliche Beschwerden haben. Bis zu 40 neue Patientinnen werden dort jährlich behandelt, schreibt die «Berner Zeitung». Annette Kuhn, die Leitende Ärztin am Zentrum für Urogynäkologie, rät den Betroffenen zu einer sogenannten Defibulation, wobei die verwachsenen Genitalien mit einem Laser wiedergeöffnet werden. 90 Prozent der Patientinnen würden sich zu diesem Schritt entscheiden – die Rückmeldungen seien überwiegend positiv, so Kuhn.

Weiterlesen: 20-Minuten, Bieler Tagblatt

Medien

Runder Tisch NRW – Presseerklärung zu Rekonstruktion

Der Runde Tisch NRW gegen Beschneidung von Mädchen hat sich gestern auf seiner 49. Sitzung mit der Rekonstruktion weiblicher Genitalien bei betroffenen Frauen beschäftigt. Weibliche Genitalbeschneidung führt bei den betroffenen Frauen und Mädchen häufig zu großen gesundheitlichen Einschränkungen. Der Runde Tisch kam zu dem Ergebnis, dass den Frauen geholfen werden kann und hat sich zur Aufgabe gemacht, dies stärker bekannt zu machen. Seit 2012 bietet der Aachener Privatdozent Dr. med. Dan mon O’Dey, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, eine in langjähriger Forschung entwickelte OP-Methode zur Rekonstruktion weiblicher Genitalien an, die weltweit anerkannt ist. Dr. O’Dey leitet die Klinik für Plastische Chirurgie des Luisenhospitals Aachen.

Am 13.11.2019 wird er in einem kostenlosen Webinar, organisiert vom Bildungsportal KUTARI, über seine Arbeit referieren.  Mehr: www.kutairi.de/fortbildung.

Länderinformation

Somalia: Us, “The Children of FGM”

In grade seven, two Somali diaspora girls were in our class. One day they told us—all the girls in the class—that they were not circumcised and did not know what circumcision was. We all looked at one another as if someone had committed a crime. We are circumcised so that our husbands can know our “cleanliness,” and we couldn’t believe that the girls’ mother did not want them to be beautiful and loved by their husbands. We felt unworthy without circumcision, and had all accepted that female genital mutilation, commonly referred to as FGM, was a necessity.

Weiterlesen: Feminist Campus

Länderinformation

Projektinformation Ägypten von Brot für die Welt

Kampf gegen die Genitalverstümmelung Ägypten
Noch immer werden etwazwei Drittel aller Mädchen in Ägypten beschnitten. Die körperlichen und seelischen Folgenquälen sie ein Leben lang. Doch sowohl Christen als auch Muslime halten bis heute an dem gefährlichen Brauch fest. Die koptischeHilfsorganisation BLESS kämpft dagegen an –mit Aufklärung und Überzeugungsarbeit, mit Bibel und Koran.

Brot für die Welt, PDF, 19 Seiten

Joachim Gauck: Bemerkenswertes Plädoyer für mehr Toleranz und zugleich Intoleranz

Zwei Zitate aus dem Interview mit Joachim Gauck

“Es ging mir darum, den Toleranzbegriff zur Debatte zu stellen, für einen erweiterten politischen Debattenraum und für eine kämpferische Toleranz zu werben.”

“Die Grenze ist überschritten, wenn jemand die Basis des Grundgesetzes verlässt, wenn jemand die Rechtsordnung nicht mehr achtet. Aufforderungen zu Hass, Frauenverachtung, Homophobie, Antisemitismus darf man nicht ertragen. Ein Beispiel: Nicht wenige zugewanderte Frauen aus Afrika sind von Genitalverstümmelung betroffen. Traditionen wie diese muss man nicht akzeptieren, da wäre Verständnis der falsche Weg. Mein Buch ist der Versuch, die Debatte über das Thema Toleranz ernst zu nehmen und zu erweitern.”

Weiterlesen: Lokalkompass

Engagement

Ferienbeschneidungen“: TERRE DES FEMMES macht im August verstärkt auf bedrohte Mädchen aufmerksam

Die Sommerferien sind eine Hochrisikozeit für in Deutschland lebende, von weiblicher Genitalverstümmelung bedrohte Mädchen. Denn Viele fahren mit ihrer Familie zum Beispiel in ihr Herkunfstland, wo sie sich der Praxis kaum entziehen können.

TERRE DES FEMMES-Referentin Charlotte Weil und CHANGE Trainerin Fatou Diatta klären u.a. im ZDF heute journal darüber auf, wieso auch heute noch so viele Mädchen und junge Frauen bedroht sind. Weibliche Genitalverstümmelung findet auch in Deutschland statt, ist hier aber illegal und strafbar, egal wo sie durchgeführt wurde.

Seit der Gründung 1981 setzt sich TERRE DES FEMMES gegen weibliche Genitalverstümmelung ein. Das von uns koordinierte EU-Projekt Let’s CHANGE hat zum Ziel, hiesige Diaspora-Communitys zum Thema zu sensibilisieren und aufzuklären.

Helfen auch Sie, bedrohte Mädchen vor weiblicher Genitalverstümmelung zu schützen, indem Sie…

…auf das Thema aufmerksam machen und das Tabu brechen.
…wachsam sind, gerade wenn Sie im medizinischen, sozialen oder pädagogischen Bereich mit Mädchen und Frauen zusammenarbeiten.

Quelle: TERRE DES FEMMES, Webseite

Großbritannien: Anzahl identifizierter FGM-Fälle

Across England there were 6,415 women and girls identified in 2018/19 as having had FGM, and 4,120 of those were new cases. An age breakdown was not provided for new cases, but more than half of all women and girls identified as having undergone FGM (3,895) did not have their age recorded or it was not known. The figures reveal 380 were aged under 12 months at the time their FGM was carried out. A further 685 were aged between one and four years old and 805 were aged between five and nine years old.

Weiterlesen: Devon Live

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Saudi-Arabien: 20% der Frauen sind genitalverstümmelt

Untersucht: 963 Frauen zwischen 17 und 75 Jahren

Untersuchungszeitraum: Dezember 2016 bis August 2017

Anzahl Prozent
Untersucht Frauen zwischen 17 und 75 Jahren 963
Mit FGM/C 175 18,2 %
Typ I und II 37 21,1 %
Typ III 11 6,3 %
Typ IV 46 26,3 %
Unkenntnis über eigenen Typ 81 46,3 %
Kenntnisse über FGM/C 89,6 %
Keine Kenntnisse über FGM/C 2,3 %
Nationalität Saudi 79,1 %
Religion Islam 100,0 %
Singles 48,1 %
Mit Universitätsstudium 58,6 %

 

Studie Results In a convenience sample of 963 women aged 18 to 75 years, 175 (18.2%) had undergone FGM/C. Compared with women without FGM/C, women with FGM/C were older, married, non-Saudi and had a lower monthly income. Thirty-seven (21.1%) women had had FGM/C with some cutting of body parts (type I or II), 11 (6.3%) with suturing (type III), 46 (26.3%) with no cutting of body parts (type IV) and 81 (46.3%) did not know their type of FGM/C. There was also a significant association between nationality and age at which FGM/C was performed, with Saudi women undergoing the procedure earlier than Egyptian, Somali, Yemeni and Sudanese women.

During the 7 month recruitment period, 1000 women attending the clinics were approached regarding participation in the study, of which 963 (96.3%) consented. As seen in table 1, the women’s average age was 28.9 (range 18 to 75) years, the majority (79.1%) were Saudi, and all were Muslims. Close to half were single (48.1%), 58.6% had some university education or had completed a university degree. Slightly less than half (42.0%) of the women were current students, while about a third (28.5%) were employed, full- or part-time. Close to one in five women (18.2%) self-reported having FGM/C, while 3.3% did not know. Most of the women in this sample had heard of FGM/C (89.6%), but 2.3% were unsure.

Komplette Studie weiterlesen: British Medical Journal

 

Europa

Österreich: Salzburg für Null-Toleranz-Strategie

Die Stadt Salzburg hat sich in einer Resolution im Gemeinderat einstimmig für eine Null-Toleranz-Strategie gegen weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation/ FGM) ausgesprochen.

„Jetzt kommt die Ferienzeit, und ich appelliere an alle Menschen in Salzburg: Schweigen Sie nicht, wenn Sie nur den geringsten Verdacht haben, dass die Freundin ihrer Tochter oder die Tochter ihrer Freundin vielleicht in den Ferien beschnitten werden soll“, sagt Stadträtin Anja Hagenauer. Das gleiche gelte für das Thema Zwangsheirat. “Es gibt Anlaufstellen, die Mädchen und junge Frauen zuverlässig davor bewahren – wenn sie und die Betroffenen davon erfahren”, ergänzt Hagenauer.

Verdachtsmeldungen können anonym gemacht werden. “Das Jugendamt kann auch dann tätig werden, und man muss sich nicht ausdrücklich deklarieren“, erläutert die Gleichbehandlungsbeauftragte der Stadt, Alexandra Schmidt.

Das Kindergarten- und Hortpersonal der Stadt Salzburg wurde geschult im Umgang mit Verdachtsfällen und im entschiedenen Auftreten dagegen. Im Austausch mit dem Jugendamt hat eine Wiener Expertin – selbst mit afrikanischen Wurzeln – das Case Management jetzt optimiert.

In enger Kooperation mit dem Frauengesundheitszentrum werden in Salzburg als einzigem Bundesland neben Wien sogenannte “FGM-Peers” ausgebildet, die gegen die Verstümmelung in ihrer eigenen Community offen auftreten. Dieses Projekt wird vom Außenministerium finanziert. Derzeit werden weitere Maßnahmen überlegt, um die jungen Mädchen entsprechend zu schützen.

Quelle: meinbezirk.at

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Sri Lanka: Kämpferin für Frieden und gegen FGM/C

Moderate Frauen wie Shreen Saroor haben es in der radikalisierten Gesellschaft Sri Lankas schwer. Ihre eigene Community zeige für ihren Kampf gegen Verschleierung, Genitalbeschneidung, Kinderheirat und Polygamie wenig Verständnis, erklärt die Aktivistin.

Weiterlesen und hören: Deutschlandfunk Kultur