FGM/C verhindert Entwicklung

“Wenn eine Frau gestärkt wird, geht es ihren Kindern und ihrer Familie besser.
Wenn Familien gedeihen, gedeiht das Dorf, und schließlich auch das ganze Land.”

Isabelle Allende

 

Wenn der wichtigere Teil der Gesellschaft ausgeschaltet wird

Es ist seltsam, dass in Bezug auf weibliche Genitalbeschneidung fast immer vom ungeheuren, persönlichen Leid der Mädchen und Frauen gesprochen wird und nur selten der große volkswirtschaftliche Schaden beschrieben wird, der viele Länder an der Entwicklung hindert.

Hilary Burrage, britische Soziologin, schreibt 2014 in Bezug auf Auswirkungen von FGM/C, es sei tragisch für eine Gemeinschaft, „wenn ein erheblicher Teil der erwachsenen Erwerbsbevölkerung … dauerhaft an Krankheiten leidet und daher auch eine nicht optimale wirtschaftliche Leistung erbringt. Bestenfalls handelt es sich um eine weniger starke Resistenz gegen Infektionen, Rückenschmerzen usw. Im schlimmsten Fall ist FGM ein Mörder, sowohl des Opfers selbst als auch oft ihres Babys während der Entbindung“.

Und sie führt weiter aus, dass dies auch später sein kann, wenn sie nicht in der Lage ist, für sie richtig zu sorgen… „Lokale Volkswirtschaften, sowie einzelne Menschen zahlen einen hohen Preis für FGM.“

 

Die Arbeitskraft der Frauen

Es wird oft beschrieben, dass in afrikanischen Ländern die weiblilche Arbeitskraft für das Gelingen der Entwicklung besonders wichtig ist. Hilary Burrage meint entsprechend: „Und dann fallen die Kosten für die Gemeinschaft und den Nationalstaat an. Frauen, die durch Trauma und Krankheit nicht optimal arbeiten können, produzieren nicht nur weniger, sondern kosten auch mehr, um „zu überleben“.

Sie brauchen ärztliche Hilfe (von qualifizierten Ärzten, wenn sie sehr viel Glück haben), ihre Kinder brauchen ein breiteres Betreuungsnetz, ihr psychischer Zustand ist möglicherweise fragil … die Liste geht weiter.“

Und sie macht darauf aufmerksam, dass die Mädchen nach ihrer Beschneidung häufig den traditionellen Weg einer früher Verheiratung gehen müssen und keine hochwertige Bildung erhalten.

Quellen:
Genitalverstümmelung ist „auch ein volkswirtschaftlicher Schaden“, SPIEGEL

 

Belastung für die Gesundheitsbudgets

Der wirtschaftliche Schaden von FGM/C ist enorm. Die WHO geht davon aus, dass jährlich 1,4 Milliarden US-Dollar für medizinische Behandlungskosten von FGM/C anfallen würden, wenn die erforderlichen Behandlungen vorgenommen werden würden. Für einzelne Länder würde das bedeuten, dass diese Mehrkosten für medizinische Leistungen 10 Prozent, in einigen Ländern sogar 30 Prozent ihres Gesundheitsbudgets ausmachen würden. Diese Zahlen beruhen auf einer Modellrechnung und es wurden auch die Ersparnisse bei Beendigung von FGM/C für 27 stark von dieser Menschenrechtsverletzung betroffene Länder berücksichtigt. Könnte FGM/C sofort abgeschafft werden, käme es zu einer Reduzierung der Gesundheitskosten um mehr als 60 Prozent bis 2050. Anderenfalls werden die Gesundheitskosten um 50 Prozent bis 2050 steigen.

Quellen:
Female Genital Mutilation Hurts Women and Economies, WHO
FGM Cost Calkulator, WHO
Tell No Lies: Neurobiological Consequences of FGM, frontpageafricaonline

 

Fazit: Politik und Gesellschaft müssen umdenken!

I m entwicklungspolitischen Bildungsbereich wird weibliche Genitalbeschneidung so gut es geht ausgeklammert. Vielleicht ist es nicht angenehm, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Aber wenn wir ernsthaft die Entwicklung der betroffenen Länder wollen, müssen wir uns ernsthaft mit den Auswirkungen beschäftigen.

Hilary Burrage kommt entsprechend zu dem Schluss: „Zusammen mit den schrecklichen menschlichen Schädigungen hat FGM sicherlich Auswirkungen auf viele Volkswirtschaften von Gemeinden und Nationen auf der ganzen Welt. Warum sind die wirtschaftlichen Kosten von FGM/C also nicht von zentraler Bedeutung für das Denken über die internationale Entwicklung und die nationale Politik?“