FGC und Schönheitsoperationen

Haben wir einen verschärften Blick auf die Anderen und übersehen weibliche Genitalbeschneidung im eigenen Land?

 

„Unter Insidern und Aktivistinnen ist es schon lange kein Geheimnis mehr, dass jedwede Art von Verstümmelung – nicht nur an afrikanischen Mädchen – auf Wunsch in Deutschland käuflich zu erwerben ist, durchgeführt von Fachpersonal aus dem Gesundheitsbereich, ohne medizinische Notwendigkeit. Wir so genannten zivilisierten Menschen der „Ersten Welt“ waren nie besser und sind es auch heute nicht, nur unsere Methoden sind perfider.

Als Hanny Lightfoot-Klein mir ein paar Seiten ihres Buches ‚Der Beschneidungsskandal‘ zeigte, wusste ich sofort, dass diese Veröffentlichung auch Menschen hier in Deutschland lesen müssen.

Denn es ist nicht wahr, dass Verstümmelungen nur weit weg geschehen. Das Fremde ist hier, in uns und das Tabu nicht geringer! Nach Operationen an Brüsten, Oberschenkeln und Hüften sind nun auch die Genitalien an der Reihe. Neben Tatoos sehe ich zunehmend Piercings mit bis zu 50 Durchstechungen pro Genital. Außerdem habe ich mehr und mehr deutsche Patientinnen, die sich ganz offensichtlich die Klitorisvorhaut haben entfernen lassen. Sie werden noch feststellen, dass sie den vermeintlichen Lustgewinn gegen eine schmerzhafte Hypersensibilität oder ein ausgetrocknetes Organ eingetauscht haben. Und das ist noch nicht alles: Immer öfter bitten mich Frauen um Rat, ob sie ihre kleinen Schamlippen operativ verkleinern lassen sollen.

Selbst medizinische Darstellungen zeigen diese oft unterdurchschnittlich klein. Die Frauen werden Opfer eines ihre Genitalien verniedlichenden Schönheitswahns, der die Gesellschaft ganz subtil durchdrungen hat.“

 

Die Frauenärztin Dr. Sabine Müller, Berlin in „Über das Fremde in uns und den Umgang mit genitalverstümmelten Frauen“