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Medikalisierung – eine gute Lösung?

“Die geschilderten Begleitumstände der mangelnden Hygiene und Analgesie mit daraus resultierenden Komplikationen dürfen nicht dazu verleiten, einer Medikalisierung – das heißt Verlagerung dieser Prozedur in medizinische Einrichtungen wie Ambulanzen oder Krankenhäuser, was mancherorts bereits praktiziert wird – Vorschub zu leisten. Entsprechend den klaren Stellungnahmen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und weiterer internationaler und nationaler Organisationen ist jegliche Verletzung der körperlichen Integrität ein Verstoß gegen die allgemeinen Menschenrechte, den es zu eliminieren gilt.

Zu Recht wird dies als schädliche traditionelle Praxis („harmful traditional practice“) charakterisiert. Gesellschaftliche Riten und Feste dürfen daher nur unblutig vollzogen werden! Auch die deutsche Ärzteschaft hat sich in diesem Sinne klar artikuliert (Entschließungen zur rituellen Verstümmelung weiblicher Genitalien auf dem 99. Ärztetag 1996 in Köln und auf dem 100. Ärztetag 1997). Angehörige der im Gesundheitswesen tätigen Berufe dürfen sich nirgends auf der Welt zur Durchführung solcher Praktiken hergeben oder missbrauchen lassen. Dies wäre ein Verstoß gegen die Berufsethik.”

Dr. med. Christoph Zerm,  Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in “Leitfaden für medizinische Fachkräfte” stop mutilation e.V., 2013