Psychische Spätfolgen

Die Beschneidung verursacht bei den Betroffenen ein schwerwiegendes Trauma. Die Zeremonie wird von den engsten Bezugspersonen arrangiert und begleitet. Das Mädchen wird von der eigenen Mutter und anderen weiblichen Verwandten festgehalten. Hinzu kommt, dass sie nach dem Beschneidungsakt häufig alleingelassen wird. Für das Kind bedeutet das einen massiven Vertrauensverlust.

Diese traumatisierende Gewalterfahrung führt zu psychosomatischen Störungen, die einer Vergewaltigungserfahrung sehr ähnlich sind. Oft haben die Betroffenen ein mangelndes Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Schlaf- und Essstörungen, Verhaltensstörungen, Neurosen, Konzentrationsschwierigkeiten, extreme Angstzustände, Depressionen und Suizidgedanken treten ebenfalls auf.

Da die psychischen Folgen nicht immer offensichtlich sind, wird ihr Zusammenhang mit der Genitalbeschneidung nur selten erkannt. Ein weiteres Problem ist es, dass die betroffenen Frauen nicht über ihre Beschneidung sprechen, da FGC in ihrer Kultur ein Tabuthema darstellt. In manchen Fällen sitzt das Trauma so tief, dass die Erfahrung von den Betroffenen nicht nur verdrängt, sondern gänzlich abgespalten wurde.

Die Mädchen sind dadurch nicht mehr in der Lage, sich an ihre Beschneidung zu erinnern. In jedem Fall kann der Anblick ähnlicher Gegenstände oder Situationen bei den Mädchen Panikattacken auslösen. In Kita und Schule können also Problemsituationen auftreten, wenn mit Scheren und Messern gearbeitet wird.