In der Flüchtlingsunterkunft haben Sie Frauen und Mädchen, die erst seit sehr kurzer Zeit in Deutschland sind. Sie kennen ihr Umfeld noch nicht, wissen nichts von unserem Gesundheitssystem und oft wissen sie nicht einmal, dass Mädchenbescheidung hier verboten ist.

Sie sind entsprechend eine der wenigen Bezugspersonen, die diese Menschen haben. Sie können dazu beitragen, dass die Frauen und Mädchen den Weg zu Ärztinnen und Ärzten finden, die sie in ihrer jeweiligen Situation sensibel und kenntnisreich unterstützen können. Das gilt besonders für Frauen und Mädchen, die in ihrem Heimatland beschnitten wurden. Wenn Sie den Hintergrund kennen, ein wenig über die Traditionen und Herkunftsländer gelesen haben, können Sie Anzeichen von einer vollzogenen, aber auch einer drohenden Beschneidung bei Mädchen in Ihrer Einrichtung erkennen.

 

Sie vermuten, dass ein Mädchen oder eine Frau beschnitten wurde

Angenommen, Sie haben eine Frau oder ein  Mädchen aus einem der Herkunftsländer Ägypten, Eritrea oder Gambia in Ihrer Gruppe. Sie werden mit dem Wissen dieses Mädchen oder diese Frau beobachten und könnten feststellen, das sie

  • extrem berührungsempfindlich ist
  • im Bewegungsablauf gehemmt ist
  • Auffälligkeiten im Sport- und Spielbereich zeigt
  • Schwierigkeiten beim Wasserlassen hat
  • sehr stark vermeidet Flüssigkeit zu sich zu nehmen
  • häufiger Entzündungen im Genitalbereich
  • nicht an Vorsorgeuntersuchungen teil will

Dann könnte der Grund vorliegen, dass eine Beschneidung bei diesem Mädchen vorliegt. Sie werden sich nun fragen, was Sie tun können? Wir empfehlen den Leitfaden der Beratungsstelle stop mutilation e.V., die Beratung und Begleitung bei Elterngesprächen zum Thema weibliche Genitalbeschneidung anbietet.

 

Verdacht, ein Mädchen soll beschnitten werden

Es gibt einige Anzeichen, die Sie bei einem Mädchen aus einem Heimatland, in dem die Beschneidungsrate hoch ist, beachten können:

  • sie spricht von einer Reise in die Heimat oder ins europäische Ausland
  • die Geschwister fliegen nicht mit
  • sie lebt in einer traditionell denkenden Umgebung
  • sie spricht von einem besonderen Fest

Auch hier empfehlen wir den Leitfaden der Beratungsstelle stop mutilation e.V., die Informationen für Fachkräfte und Ehreatliche im Flüchtlingsbereich anbietet.