Kindlicher Schmerz

Ein Mädchen, das im frühen Kindesalter an den Genitalien beschnitten wird, entwickelt eine Überempfindlichkeit an dieser Stelle, die auch als Erwachsene vorhanden bleibt. Die Schmerzschwelle in diesem Bereich ist herabgesetzt, was dazu führt, dass auch leichte Berührungen für die Betroffenen Frauen schon als schmerzhaft empfunden werden können. Das kann zu einem gestörten Körperbild führen und bedeutet eine massive Einschränkung der Sexualität von betroffenen Frauen.

Bei Neugeborenen konnte festgestellt werden, dass eine Verletzung zu einer erhöhten neuronalen Aktivität im Hinterhorn des Rückenmarks führt. Es folgt eine Überinnovation der betroffenen Stelle. Das bedeutet, dass es zu einer verstärkten Bildung von Nervenzellen und Nervenfasern kommt.  Diese Vernetzung von Nerven lässt sich nicht rückgängig machen und bleibt ein Leben lang erhalten.

Die Auswirkungen von starken Schmerzen im frühkindlichen Alter wurden lange Zeit von der Medizin unterschätzt. Der unfassbare Schmerz der Beschneidung und die langandauernde Schmerzperiode, die sich daran anschließt, hinterlässt bei den Mädchen ein tiefes Trauma und endet nicht, weil immer neue Entzündungen und Schmerzen beim Urinieren und bei Bewegung anhalten. Das bedeutet für das spätere Leben eine herabgesetzte Schmerzschwelle für Reize im betroffenen Gebiet, weil die Schmerzschwelle durch mehrfache akute Schmerzen herabgesetzt wird und die Bereiche, die dem Schmerz ausgesetzt werden empfindlicher auf Schmerzreize reagieren.

 

nach einem Vortrag von Prof. Dr. med. Boris Zernikow am 31.8.2016 beim Runden Tisch NRW gegen Beschneidung von Mädchen. Mehr dazu im Rundbrief des Runden Tisches NRW