Defibulation – Risiko vermindern

Die Durchführung einer Defibulation wird in der Geburtshilfe kontrovers diskutiert. Die Frau sollte auf jeden Fall im Verlauf der Schwangerschaft über eine notwendige Defibulation und ihre Vorteile vor oder unter der Geburt aufgeklärt werden. Um der Frau den Eingriff unter der Geburt zu ersparen, ist er in der Regel in der zweiten Phase der Geburt angedacht. Damit unnötige Schmerzen vermieden werden, wird der Eingriff unter einer Periduralanästhesie oder lokaler Anästhesie durchgeführt. Sollte eine vollständige Infibulation vorliegen und gynäkologische Untersuchungen unmöglich sein, empfiehlt es sich eine Defibulation bereits im Laufe der Schwangerschaft vorzunehmen. Dadurch soll der Verlauf der Schwangerschaft positiv beeinflusst und die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts reduziert werden.

Sie sollten dennoch beachten, dass besonders bei jungen Erstgebärenden das erneute Aufschneiden und der hohe Blutverlust retraumatisierend wirken kann. Deshalb könnte eine psychologische Betreuung zur Stabilisierung der Patientin notwendig werden.

Die Frage nach der Defibulation und dem Vorgehen nach der Geburt sollte frühzeitig während der Schwangerschaft mit den werdenden Eltern besprochen werden. Eine Reinfibulation sollte nur in dem Maße durchgeführt werden, sodass medizinische Probleme nicht auftreten können. Die Veränderungen am weiblichen Genital sollten sowohl mit der Frau, als auch mit ihrem Partner genau besprochen werden. Sollte eine Rekonstruktion eines verengten Orificium vulvae gefordert werden, dürfen Sie der Forderung nicht nachkommen. Eine vollständige Rekonstruktion wird Strafrechtlich verfolgt. Primär sollten Sie die Eltern über die möglichen Risiken und Komplikationen aufklären. Auch über jene, die wohlmöglich bei einer weiteren Geburt im Heimatland auftreten können.

Quelle: Bundesärztekammer (2016), DBfK (2005), Schweizerische Empfehlungen (2005)