Schwangerschaft und Geburt

Je nach Schweregrad der Beschneidung treten während der Schwangerschaft und unter der Geburt Komplikationen auf.

Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft sind die notwendigen vaginalen Untersuchungen häufig erschwert oder unmöglich, da diese nur durch eine winzige Öffnung durchgeführt werden können. Auch die Messung des vag.-pH für die Einschätzung der Vaginalflora kann dadurch nicht stattfinden. Eine alkalische Vaginalflora begünstigt das Auftreten bakterieller Infektion, die das Risiko von Frühgeburten erhöhen. Ebenfalls erschwert oder gar nicht erst möglich ist eine Katheterisierung bei Bedarfsfall.

Oft haben die Frauen aufgrund der vaginalen Verengung Angst vor der Entbindung. Es kommt vor, dass einige Schwangere sich bewusst nicht ausreichend ernähren. Dadurch versuchen sie zu verhindern, dass das Kind am Ende der Schwangerschaft seine normale Größe erhält. Dies bedeutet eine Gefährdung der Gesundheit des Kindes. Das Fehlen von lebenswichtigen Nährstoffen können Entwicklungsstörungen und Wachstumsverzögerungen des Ungeborenen zur Folge haben. Zusätzlich steigt durch die typischen Mangelerscheinungen das Risiko von Früh- und Fehlgeburten an.

Geburt

Die Geburt kann für Mutter und Kind lebensbedrohlich sein. Die Zirkumzisionsnarbe im Vaginalbereich ist in der Regel verhärtet und kaum flexibel. Wenn der kindliche Kopf während der Geburt herunter tritt, kann dieser den Geburtskanal nicht weiten. Die Austreibungsphase wird dadurch massiv verzögert und ist mit starken Schmerzen für die Frau verbunden. Zusätzlich kann es bei einer nicht Eröffnung des Narbengewebes dazu kommen, dass Gewebe unkontrolliert einreißt und umliegende Gefäße verletzt oder Nerven irreversibel geschädigt werden.

Ebenfalls auftreten können Verletzungen und Risse an Harnröhre, Vulva, Vagina und Cervix. Deswegen muss das Risiko auf eine Postpartale Hämorrhagie während oder kurz nach der Geburt berücksichtigt werden. Weitere Komplikationen die medizinische Intervention benötigen sind Hypertonie des Uterus, Atonie des Uterus, Perinealriss und andere Komplikationen bei der Mutter, die letal verlaufen können. Ein längerer Geburtsverlauf ist auch für das Neugeborene ein enormes Risiko. Unter der Geburt ist es kaum möglich einen fetalen Skalp-pH zur Bestimmung der fetalen Kondition abzunehmen.  Der entstehende Sauerstoffmangel bei der langwierigen Geburt kann zu zerebralen Schäden führen und bis hin zum pränatalem Tod des Neugeborenen reichen.