Rekonstruktion

Nach der Beschneidung leiden betroffene Frauen oft an chronischen Schmerzen und an den gesundheitlichen Folgen. Die Rekonstruktion des weiblichen Genitals stellt daher eine kurative und medizinisch indizierte operative Maßnahme dar. Durch die Beschneidung treten Gewebeverluste der Schamlippen und respektive Vernarbungen auf, denen je nach Schweregrad neues Material zugeführt werden muss.

Zurzeit kann nur ein Arzt in Deutschland eine Rekonstruktion im eigentlichen Sinne durchführen. Dr. med. Dan mon O’Dey, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, hat viele Jahre geforscht und ein eigenes Verfahren entwickelt, das inzwischen weltweit anerkannt wird. Mit Hilfe der Perforatorlappenplastik aOAP-flap (anterior obturator artery perforator flap) und der OD-Lappenplastik (Omega-Domed flap) kann eine vollständige Funktionalität des weiblichen Genitals wiederhergestellt werden.

Bei der Operation nach Beschneidung wird der Klitorisstumpf geborgen, von Narbengewebe befreit, neu aufgebaut und mittels der OD-Lappenplastik in eine kleine Senke gelegt, sowie es der intakten unbeschnittenen Situation entspricht. Die äußeren Schamlippen werden mit Hilfe der aOAP-Lappenplastik und dem entsprechenden Gewebe aus dem Sulcus genitofemoralis unmittelbar neben der Vulva wiederaufgebaut. Dies führt zu einer Normalisierung von Form und Funktion des äußeren weiblichen Genitals.

Die spezielle operative Technik trägt dazu bei, dass Frauen ihre Beschneidung überwinden können. Das eigene Körperbewusstsein wird dadurch verbessert und die Frau hat nicht mehr das Gefühl, als würde der Genitalbereich nicht zum eigenen Körper gehören (psycho-sexuelle Desintegration). Durch die neue Elastizität des Scheideneingangs kommt es nicht mehr zu schmerzhaften Einrissen während des Geschlechtsverkehr und aufgrund der Wiederherstellung der Klitoris ist das Empfinden eines Orgasmus wieder möglich.

Die Operation dauert etwa 5 Stunden, wenn sowohl die Klitoris als auch die äußeren Schamlippen wiederhergestellt werden. Alles wird in einer einzigen Operation durchgeführt. Die Frauen müssen etwa 8-10 Tage stationär im Krankenhaus bleiben. Wird nur die Klitoris wiederhergestellt, sind es 2-3 Tage. Die Wundheilung ist mit der nach einer Geburt vergleichbar und dauert etwa 3 Wochen. Nach 6- 10 Wochen ist ein beschwerdefreier Geschlechtsverkehr möglich. Bisher haben die Krankenkassen die Kosten der Operationen von Dr. O’Dey übernommen, nachdem vom Runden Tisch NRW dazu der Anstoß gegeben wurde. Im Kostenübernahmeantrag muss die gesundheitliche Beeinträchtigung deutlich gemacht werden.

Quelle: O’Dey (2015), Journal für Ästhetische Chirurgie, Anatomisch-funktionelle Rekonstruktion des weiblichen Genitales nach ritueller Beschneidung, Volume 8, Issue 4, pp 179–183, Van den Heuvel (2014), Genitalverstümmelung: Neue Lappenplastiken. Verfügbar unter URL: http://news.doccheck.com/de/45996/genitalverstuemmelung-neue-lappenplastiken/