NRW: Ärzte registrierten 2017 406 weibliche Genitalverstümmelungen

406 Mädchen und Frauen haben im vergangenen Jahr bei ihrem Gynäkologen angegeben, Opfer einer Genitalverstümmelung geworden zu sein. Das berichtet das Bielefelder WESTFALEN-BLATT unter Berufung auf Abrechungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen Rheinland und Westfalen-Lippe.

Weibliche Genitalverstümmelung ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in 30 afrikanischen Ländern, aber auch in Malaysia, Indonesien, dem Oman und dem Jemen verbreitet. Belege dafür, dass Genitalverstümmelungen in NRW vorgenommen werden, gibt es nicht. Meistens werden Mädchen in den Ferien in ihrer Heimat verstümmelt – gelegentlich auch gegen den Willen der Eltern.

Innerhalb Nordrhein-Westfalens scheinen die meisten Opfer im Rheinland zu leben, möglicherweise wegen eines höheren Bevölkerungsanteils aus den betroffenen Ländern. Der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, die für 9,6 Millionen Menschen in den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln zuständig ist, wurden im vergangenen Jahr 314 Fälle bekannt. Im ländlicheren Westfalen-Lippe, wo 8,4 Millionen Menschen in den Regierungsbezirken Münster, Detmold und Arnsberg leben, meldeten sich im selben Zeitraum 92 Opfer bei ihrem Arzt.

Seit 2013 steht in Deutschland die Genitalverstümmelung bei Frauen unter Strafe – ohne große Konsequenzen. Die bundesweite Kriminalstatistik für 2017 führt nicht eine einzige Anzeige auf.

Original einsehen: Pressemitteilung des Westfalen-Blattes