Stellungnahme von Aktion Weißes Friedensband e.V.:

Auf Wunsch der afrikanischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat sich der „Runde Tisch NRW gegen Beschneidung von Mädchen“ für den Sprachgebrauch weibliche Genitalbeschneidung/Mädchenbeschneidung oder die englische Bezeichnung Female Genital Cutting (FGC) entschieden. Der „Runde Tisch NRW“ hat dazu am 15. August 2007 einstimmig den folgenden Beschluss gefasst:

 

„Es wurde noch einmal deutlich gemacht, dass das Wort ‚Verstümmelung’ den Respekt und die Würde der Betroffenen verletzt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschlossen einstimmig, das Wort ‚Verstümmelung’ als Runder Tisch NRW nicht mehr zu benutzen. Unberührt davon bleibt der Sprachgebrauch der einzelnen Institutionen in ihrer jeweiligen Arbeit.“ 

 

Eine solche Sprachregelung, die die Gefühle und Wünsche der afrikanischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer respektiert und berücksichtigt, ist für unsere Arbeit unerlässlich. Denn wir möchten gerade die Zielgruppe der Betroffenen und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in den so genannten Communities für die Teilnahme und die Präventionsarbeit gewinnen.

Wir sehen in der Trennung von unmittelbarer Gesprächsebene, in der sensible Worte genutzt werden sollen und der Öffentlichkeit einen Widerspruch. Denn gerade in der Öffentlichkeit arbeiten wir mit den betroffenen Frauen gegen die weibliche Genitalbeschneidung zusammen.

In allen sozialen Bereichen haben wir gelernt, sensiblere Begriffe zu benutzen, um den Betroffenen nicht die Menschenwürde zu nehmen und es gibt heute keinen sozialen Bereich mehr, in dem es noch ähnlich harte Begriffe gibt, zumal wenn sie von den gemeinten Menschen abgelehnt werden.

Wir bekommen oft harte Vorwürfe als “Verharmloser”, weil wir nicht den Begriff „Genitalverstümmelung“ verwenden wollen. Das finden wir schade. Umkehrt wollen wir niemanden zurechtweisen, der diesen Begriff verwendet.