Wie spreche ich eine Familie bei einem Verdacht an?

Eine Gesprächsführung wird nur über indirekte Fragen erfolgreich sein. Auch in der Wortwahl sollten Sie zurückhaltend sein – bitte nicht das Wort Genitalverstümmelung benutzen. Suchen Sie benachbarte Themen, die Aufschluss über die Denkweise der Familie geben könnten.

Fragen Sie nach der Familie im Heimatland, nach den Kontakten: „Haben Sie noch engen Kontakt zu Ihren Familien?“

Eine Möglichkeit: „Ich habe Kontakt zu Familien, die aus Ihrer Region kommen. Von denen haben ich erfahren, dass in ihrem Dorf Mädchen beschnitten werden. Ist das in ihrem Dorf auf üblich gewesen?“

Oder: „Ich habe einen Bericht gesehen, in dem ein Mädchen beschnitten wurde. Das hat mich sehr betroffen gemacht. Wissen Sie mehr darüber?“

Im richtigen Moment kann es durchaus hilfreich sein, zu betonen: „Sie wissen doch, dass Mädchenbeschneidung verboten ist!?

Lassen Sie sich von folgenden Gedanken leiten:

– Wie stelle ich die Frage?
– Warum stelle ich die Frage?
Niemals nur aus reiner Neugier fragen, sondern weil die Antwort zum Beispiel für ein Asylgesuch wichtig ist.

– Wer stellt die Frage?
Es kann besser sein, wenn eine Frau mit interkultureller Kompetenz und/oder mit einem entsprechenden Migrationshintergrund fragt.

Wichtig sind eine gute Vorbereitung des Gesprächs und die Überprüfung des eigenen Vorwissens. Das Wort „verstümmelt“ sollte vermieden werden. Es sollte nicht nur über das Thema Genitalbeschneidung gesprochen werden. Versuchen Sie, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, und bieten Sie der Familie Ihre Unterstützung an – beim Ausfüllen von Formularen oder bei den Hausaufgaben! Es kann einige Zeit dauern, bis Vertrauen entsteht. Eventuell sind mehrere Gespräche nötig. Es kann auch hilfreich sein, wenn Sie die Familie zu Hause besuchen. Oft erweist es sich als wirksam, die Familie darüber aufzuklären, dass die weibliche Genitalbeschneidung in Deutschland verboten ist. Denn viele Familien wissen das gar nicht!