Immer mehr in Berlin lebende Mädchen wurden beschnitten oder sind von einer Beschneidung bedroht. Der Senat will das Problem angehen, was nicht ganz einfach ist. „Da Genitalverstümmelung fast ausschließlich unter Geheimhaltung in den Familien stattfindet, ist eine Erkennung und Information der Fachkräfte im Jugendamt sehr erschwert“, heißt es in einer bislang nicht veröffentlichten Antwort der Senatsgesundheitsverwaltung auf eine schriftliche Anfrage der AfD-Fraktion im Abgeordnetenhaus.

Wenn das Jugendamt von diesen Fällen erfahre, greife das vorgegebene Berliner Kinderschutzverfahren. In Einzelfällen stünden spezialisierte Fachberatungsstellen zur Verfügung. Nur: Ob und wie die Jugendämter von den Fällen erfahren, hängt vom Zufall ab. Aus der Antwort geht hervor, dass weder bei den Früherkennungsuntersuchungen im Kindes- und Jugendalter, noch an anderer Stelle eine standardisierte Dokumentation in Bezug auf eine mögliche Beschneidung der Mädchen im Genitalbereich erfolgt. Auch aus diesem Grund möchte der Senat nun ein Gesetz auf den Weg bringen, das Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern und Jugendlichen zur Pflicht macht. In den Bundesländern Bayern, Hessen und Baden-Württemberg sind die Untersuchungen U1 bis U9 bereits verpflichtend.

Tagesspiegel