Für Frauen, die an ihren Genitalien beschnitten wurden, kann eine Geburt lebensgefährlich sein. Das gilt vor allem für die stärkste Form der Beschneidung. Die meisten Frauen wissen dies, aber die wenigsten beugen vor.

Denn schon die Schwangerschaft ist für betroffene Frauen mit vielen Ängsten verbunden. Sie haben Sorge, dass sie aufgrund ihrer Beschneidung von dem Pflegepersonal, Ärzt*innen und Hebammen nicht verstanden oder stigmatisiert werden. Hinzu kommt eine panische Angst vor starken Schmerzen bei gynäkologischen Untersuchungen vor und während der Geburt.

Das führt dazu, dass die Frauen oft ohne Mutterpass in letzter Minute ins Krankenhaus kommen und dort auf Ärzt*innen treffen, die darauf nicht vorbereitet sind. Gefährlich wird es vor allem beim Typ III, bei dem ein spezielles Wissen um die Öffnung (Defibulation) der verschlossenen Vagina erforderlich, aber oft nicht vorhanden ist. Dann erscheint den Ärzt*innen als einziger Ausweg der Kaiserschnitt, der aber von vielen Frauen nicht gewünscht wird.

Wichtig ist daher, dass bereits früh vorgebeugt wird. Sprechen Sie mit den werdenden Eltern oder jungen Frauen über das Thema und klären Sie sie adäquat über Risiken und Möglichkeiten während Schwangerschaft und Geburt auf.

Und wenn Sie in einer beratenden Funktion sind: Sprechen Sie rechtzeitig mit den beteiligten Ärzt*innen, Hebammen und den Mitarbeiter*innen im Krankenhaus notwendige Schritte ab. Je nachdem in welcher Rolle Sie den Mädchen und Frauen begegnen, kommt es auf Ihre Initiative an, Problemsituationen zu vermeiden.

Das gilt auch gerade für Lehrer*innen und Erzieher*innen. Sie kommen den Mädchen oder ihren Geschwistern sehr nahe – oft auch den Eltern. Seien Sie mutig! Wir helfen Ihnen gern!

Noch eine Bitte an die Flüchtlingsberater*innen: Kennen Sie die Ärzt*innen und Hebammen der Mädchen und Frauen in Ihrer Einrichtung? Wir hören, dass es durchaus wichtig sein kann, da genauer hinzusehen.