Psyche: Höheres Risiko für seelische Erkrankungen

Untersuchung von Wissenschaftler*innen der UNI Koblenz an 176 Frauen zeigt: Weibliche Genitalverstümmelung erhöht das Risiko für seelische Erkrankungen und verändert die körperlichen Reaktionen auf Stress

Unter der Leitung des Konstanzer Neuropsychologen Prof. Dr. Thomas Elbert analysierten Dr. Anke Köbach und Dr. Martina Ruf-Leuschner erstmals in einer umfassenden wissenschaftlichen Studie systematisch die Folgen von FGM auf Körper und Psyche. Die Untersuchungen fanden in den äthiopischen Somali-Region unter den Volksgruppen der Somalis, Amhara und Oromo statt und damit in einem kulturellen Umfeld, in dem diese Tradition praktiziert wird. Dabei bestätigte sich, dass die Frauen nicht nur körperlich, sondern auch psychisch verletzt werden. In jedem Fall werden sie verletzlicher für Trauma-Folgestörungen wie Posttraumatische Belastungsstörung und Depression. Die Folgen sind besonders gravierend in der Gruppe von Frauen, die unter den invasivsten Formen von FGM leiden müssen (Typ II/III). So haben fast 20 Prozent dieser jungen Frauen im Alter von durchschnittlich 32 Jahren eine posttraumatische Belastungsstörung. Dabei treten massive Folgen der Traumatisierung insbesondere bei Personen auf, die weitere Bedrohungen für Leib und Leben erfahren mussten.

Auch die Stressregulation des Körpers präsentiert sich bei diesen Frauen in veränderter Form. Dies konnte das Team der Konstanzer Arbeitsgruppe Klinische Psychologie und Klinische Neuropsychologie anhand der Dichte des Stresshormons Kortisol untersuchen, das sich in Haaren angereichert hatte. Frauen mit schweren Formen von FGM weisen erhöhte Werte auf. Aber auch bei Frauen, die FGM I im Säuglingsalter erleben mussten, finden sich erhöhte Werte. Anke Köbach stellt fest: „Auch wenn sich Frauen nicht bewusst an den Vorgang der Beschneidung erinnern können, so tragen sie doch die Erinnerung in ihrem biologischen System ein Leben lang mit sich.“

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