Der Prediger der As-Sunnah-Moschee in Den Haag, der in einem Video die weibliche Genitalbeschneidung befürwortet hatte, steht vor Gericht. Ihm droht eine Strafe von 120 Stunden Sozialdienst und ein Monat Bewährung.

 

Die Staatsanwaltschaft fordert einen 120-stündigen Sozialdienst und eine einmonatige Bewährungsstrafe gegen einen Prediger der As-Sunnah-Moschee in Den Haag wegen Anstiftung zur Gewalt gegen Frauen. Der Mann war in einem Video auf der Website der Moschee zu sehen, in dem die Beschneidung von Frauen empfohlen wurde. Die Beschneidung von Frauen ist in den Niederlanden strafbar.

Der Verdächtige bestreitet, dass er für die Beschneidung von Frauen ist. Seine Kommentare in einem seiner Videos wären rein informativ und drückten nicht seine eigene Meinung aus. “Ich distanziere mich davon”, erklärte er am Freitag vor dem Gericht in Den Haag.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gab es seit Herbst 2015 auf der Webseite der Moschee einen Webvortrag, in dem der Prediger zu sehen ist. In dem Video sagt er: “Die Beschneidung ist für Männer obligatorisch und für Frauen empfohlen. Sie ist für Frauen nicht obligatorisch. Die Weisheit dahinter ist, den Penis von den Unreinheiten zu reinigen, die sich auf der Vorhaut befinden und in bei der Frau das Verlangen zu verringern.”

Die Beschneidung von Frauen sei in den Niederlanden ein großes Problem, argumentierte die Staatsanwaltschaft. Schätzungen zufolge werden in den Niederlanden 41.000 Frauen beschnitten, von denen 15.000 die extremste Form der Beschneidung erfahren haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind jedes Jahr 4.200 Mädchen von einer Beschneidung bedroht, was häufig im Herkunftsland der Fall ist.

“Das Video weckt die Idee, dass die Beschneidung von Frauen empfohlen wird. Es ist eine Empfehlung eines Ehrenmannes, der mit einer der größten Moscheen in den Niederlanden in Verbindung steht und einen orthodoxen Ruf hat, der viele junge Menschen anspricht”, sagte die Staatsanwaltschaft.

Der Mann wusste damals noch nicht, dass die Beschneidung von Frauen eine Straftat ist, sagte er. “Ich habe einen Text aus einem islamischen Buch übersetzt, eine vereinfachte Rechtsprechung des Korans. Ohne nachzudenken habe ich ihn gelesen und übersetzt. Ich bin nicht darauf eingegangen. Ich bin auch nicht mit der weiblichen Beschneidung vertraut. Die weibliche Beschneidung findet überhaupt nicht statt in der türkischen und marokkanischen Gemeinde. Ich bin auch verheiratet und habe Kinder. Ich habe nie mit meiner Frau oder Schwester darüber gesprochen.”

Der Verdächtige sagt, dass er bereits von allen Medien verurteilt wurde und dass seine Karriere zerstört wurde. “Ich bin kein Verbrecher oder Randalierer. Ich habe islamische spirituelle Betreuung studiert, konnte sie aber nicht beenden, weil ich nirgendwo für ein Praktikum eingestellt wurde.”

Sein Anwalt sprach sich für einen Freispruch aus, da die Aussagen in einem religiösen Kontext gemacht wurden. “Ich glaube, die Aussagen meines Mandanten sind keine Anstiftung zu Gewalt”, sagte der Anwalt.

Das Gericht wird am 19. Juni entscheiden.

Voorburgs Dagblad

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