Video: Bericht über meine persönlichen Erlebnisse – 2.09 min

Ein  Hallo zusammen, ich bin Saralina.

Ich möchte über ein Thema sprechen, das in unserer Gesellschaft totgeschwiegen wird. Es ist an der Zeit, alle Karten offen zu legen. Denn nur durch ehrliche Kommunikation und Verständnis, finden wir für jede Herausforderung eine Lösung.

Kommen wir zu meiner Story, die mein ganzes Leben geprägt hat. Um die Familie zu versorgen mussten meine Eltern im Ausland arbeiten. Also wuchs ich, zeitweise bei meiner Oma auf. Eigentlich war mein Leben in Ordnung, bis meine Oma eines Tages zu mir kam und meinte: “ Kleines, heute wirst du zu einer richtigen Frau“ ! Ohne die Einverständnis meiner Eltern, nahm sie sich das Recht, bei mir eine traditionelle Mädchenbeschneidung durchzuführen. Bevor ich die ganze Situation realisieren konnte, wurde ich an den Beinen und Armen festgehalten. Meine Beine wurden gespreizt und vor mir stand eine Frau mit einer Rasierklinge. Ich hoffte, es sei alles nur ein schlechter Traum, aus dem ich so schnell wie möglich aufwachen wollte. Im nächsten Moment, spürte ich einen Schmerz den ich so bisher, noch nie gefühlt hatte. Mir wurde ein Stück an meiner Vagina entfernt und das ohne Betäubung. Ich hielt den Schmerz nicht länger aus und fiel in Ohnmacht.

Irgendwann kam ich wieder zu mir. Unten rum brannte es wie die Hölle. Was war mit mir geschehen? Ich verstand die Welt nicht mehr. Wie kann man einem Kind sowas antun? Womit hatte ich das verdient? Ich war verzweifelt und versuchte die Situation auf irgend eine Art und Weise zu verstehen und zu verarbeiten. Es ist nicht einfach mit einer Genitalverstümmelung aufzuwachsen.

Durch diese unmenschliche Tradition, wird man nicht zu einer echten Frau, sondern genau das Gegenteil passiert. Man wird zu einer Frau, der ein Stück Weiblichkeit entrissen wird. In meinem sexuellen Leben, waren Scham und Unsicherheit meine treuen Begleiter. Aber weißt du was ? Ich bin eine Kämpferin. Ich lasse mich nicht unter kriegen! Nichts und niemand kann mir meine Lebensfreude nehmen.

Dieses Jahre wagte ich einen Schritt, den ich schon lange machen wollte. Ich unterzog mich einer OP. Sie verlief erfolgreich und ich bin unten rum – wieder so – wie es bei einer normalen Frau sein sollte. Das Ergebnis ist wortwörtlich, mehr wie zufriedenstellend. Meine Vergangenheit hat mich zu der Frau gemacht, die ich heute bin. Ich habe meinen Schmerz losgelassen und meiner Großmutter verziehen.

Alles was zählt ist, das Hier und Jetzt. Es hat mich viel Überwindung gekostet über so ein persönliches Thema, so offen zu sprechen. Aber ich tue es trotzdem. Ich will nicht mehr in einer Welt leben, in der unschuldige Frauen verletzt, misshandelt und unterdrückt werden. Keine Frau muss sich dafür schämen, ein Opfer einer Tradition zu sein oder sonst irgendeiner Misshandlung die tagtäglich auf der Welt passieren und das nicht nur in fernen Ländern, sondern auch hier in Europa. Falls du das Gleiche erlebt hast, oder falls dir anderes Leid angetan worden ist, was du mit dir trägst und dich dafür schämst, möchte ich dir ans Herz legen, dass du deinen Schmerz nicht länger unterdrücken oder verstecken musst. Du bist nicht allein! Stehe zu deiner Geschichte und sei stolz auf dich. Du musst an dich glauben und niemals an dir zweifeln.